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Rubrik: Comic

Authority / Lobo: Das Spring Break-Massaker

Keith Giffen, Alex Grant, Simon Bisley
DC / Panini Comics
48 Seiten
EUR 6,66

Titelbild: Authority / Lobo: Das Spring Break-Massaker

Zwietracht unter den Fabelwesen: Der Osterhase ist eifersüchtig auf den Weihnachtsmann und denkt sich einen hinterlistigen Plan aus, wie er die Popularität des frohen Festes mit Tannenbaum eindämmen und statt dessen Ostern zur fröhlichsten Zeit des Jahres zu machen gedenkt: Er setzt einen bezahlten Killer auf den dicken Mann mit weißem Bart und roter Kutte an. Dumm ist nur, dass dieser Killer Lobo ist, der Letzte der Czarnianer, der seinen Lebensunterhalt als Terminator und Kopfgeldjäger verdient. Lobo, der Bo, der Main Man, der Präsi, der jähzornige albinoide Wüterich, der sich besonders für Babes, Bier und Ballereien erwärmt, nimmt den Auftrag an, metzelt sich durchs Weihnachtsland und hinterlässt eine Spur des Todes, an deren Ende ein übelst hingemeuchelter Weihnachtsmann liegt.
Als er jedoch dann seine Prämie kassieren will ist der hinterfotzige Hase verschwunden, denn der denkt gar nicht daran, Lobo seine Belohnung auszuzahlen.
 
Das war vor einigen Jahren in einem anderen DC-Special. Jetzt kehren die Autoren Keith Giffen, Alex Grant und der Zeichner Simon Bisley zum offenen Ende der Geschichte zurück, und lassen die kontroverse Superheldentruppe ”Authority” durch den Puls (eine Art interdimensionaler Raum) reisen und auf dem Osterhasen-Planeten landen, wo sich der Ober-Osterhase in der Art eines südamerikanischen Diktators aufführt. Der führt sich dort zwar auf wie die Axt im Walde, hat aber wohlweislich die Schätze zur Seite gelegt, die er Lobo schuldet, um bei dessen Eintreffen, seine Schuld zu begleichen. Die Authority vernichtet den Schatz, lockt Lobo durch den Puls auf den Osterhasen-Planeten wo dieser die Geschichte mit dem vernichteten Schatz erfährt, in bester Lobo-Manier ausflippt und gleich die ganze Welt massakriert. Den Diktator Hasen hebt er sich bis zum Schluss auf, um ihn noch einige Jahrhunderte langsam zu Tode zu foltern ...
 
Es gab einmal eine Zeit, in der wurde im DC-Universum hemmungslos aufgerüstet: Die Bösewichte wurden immer stärker und fieser. Damals entstand auch der letzte Czarnianer, Lobo, dessen Superfähigkeiten in Superstärke und Unverwundbarkeit bestanden, und der Eigenschaft, das sich aus jedem vergossenen Bluttropfen ein neuer Lobo regenerierte. Gepaart mit dessen verächtlicher Skrupellosigkeit war ein Monster entstanden, das auch schon mal den guten alten Supermann zu Tode prügelte. Zwar wurde Lobo bald um seine Regenerationsfähigkeiten erleichtert, aber er war immer noch ein solches Monster, dass im Rahmen einer ”normalen” Superheldengeschichte nicht wirklich kontrollierbar war.
Mit der Zeit wurden die Auftritte des MainMan immer satirischer und komödienhafter. Als sich dann auch noch der Zeichner Simon Bisley der Figur annahm, und die Massaker des Czarnianers in seiner unnachahmlichen Art illustrierte, gewann der Brutalo-Albino eine Außergewöhnliche Popularität und der Bo erhielt sogar eine eigene Heftserie. Aber die Zeit verging, und Lobo blieb sich selbst treu. Will meinen, er soff, vergnügte sich mit Huren und metzelte alles nieder, was ihm irgendwie quer kam. Das war vor einigen Jahren. Heute, viele Hefte und Specials später, ist Lobo immer noch der selbe wie damals, tut dasselbe und benimmt sich genau so wie man es erwartet. Ähnlich verhält es sich mit dem vorliegenden Heft, dass sich nahtlos in die Lobo-Welt einfügt, auch wenn darin die eher sozialkritisch veranlagten Figuren der Authority mit auftreten, aber an keiner Stelle des Heftes ein wirkliches Profil erlangen. Sie werden für den rasenden Lobo zum Wegbereiter und Stichwortgeber. Selbst ihre Motivation, den Diktator-Hasen aus dem Weg räumen zu lassen, wirkt vorgeschoben, angesichts des vorhersehbaren Umstandes, das Lobo sich nicht mit dem Diktator zufrieden gibt, sondern gleich noch den ganzen Planeten mit zerbröselt.
 
Bisleys Zeichenkunst hat nach wie vor ihre Reize, aber seine an Cartoons erinnernden Krakelzeichnungen haben wir auch schon mal besser gesehen. Irgendwie merkt man, dass auch er des Czarnianers überdrüssig geworden zu sein scheint.
Somit ist das Springbreak Massaker eigentlich der Schluss der ”Kill den Weihnachtsmann”-Geschichte, die jedoch einige Jahre zu spät kommt. Okay, man kann noch seinen Spaß haben, und der Diktator Hase mit seinen hochgezwirbelten Latino-Lover-Schnurrhaaren ist auch einen Lacher wert, aber das gilt nur für eingefleischte Lobo-Fans und all jene Leser, die auch die Weihnachtsmann-Geschichte kennen. Also, das Heft ist nur was für Fans.
 
Noch eine Anmerkung zu Lobo: Ich glaube das Konzept dieses Helden hat sich überlebt und man sollte ihn friedlich in Rente gehen lassen. Wenn DC den Burschen weiter auf die Leser loslassen möchte, dann muss er runderneuert werden. Wie wäre es mit einem Lobo, der seine Kräfte verliert und selbst von einer Bande von skrupellos sadistischen Kopfgeldjägern bis ans Ende der Galaxie gejagt wird ... das wär´ doch mal was!

Heiner Hink, 09.01.2007