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Rubrik: Sachbuch

Elternsprechtag

Lotte Kühn (Gerlinde Unverzagt)
Knaur
ISBN 978-3-426-77958-3
192 Seiten
EUR 6,95

Titelbild: Elternsprechtag

Vor gut einem Jahr löste das ”Lehrerhasserbuch” von Gerlinde Unverzagt (erschienen unter dem Pseudonym Lotte Kühn) eine heftige Diskussion aus. Darin schreibt eine Mutter von vier Kindern über die schlechten Seiten deutscher Schulen, über inkompetente, wenig engagierte, schlichtweg faule Lehrer, die den Schülern das Leben zur Hölle machen. So entstand das oben genannte Buch, in dem die Autorin ihre negativen Erfahrungen mit den Schulen ihrer Kinder beschreibt. Gut ein halbes Jahr später versuchte die Autorin, das Spektrum der Reaktionen zu ordnen; so entstand der Nachfolger ”Elternsprechtag”.
 
In zehn Kapiteln sortiert Kühn die Leserbriefe nach bestimmten Kriterien, wie zum Beispiel: ”In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer” oder ”Der Fehler liegt im System”. Nach jeweils ein paar einleitenden Worten seitens der Autorin folgen dann die Leserzuschriften. Das sind hauptsächlich Texte von Eltern, aber auch vereinzelt von Schülern, von Lehramtstudenten und natürlich von Lehrern. Kritische Stimmen gegen die Autorin sind jedoch nur im letzen Kapitel zu finden, was damit begründet wird, dass die Verfasser ihre Zuschriften nicht veröffentlicht sehen wollten. Das entschuldigt leidlich den Grundtenor der abgedruckten und der Autor beipflichtenden Leserbriefe, aber es tut dem gesamten Buch nicht gut, da kein faires Abwägen der Meinungen möglich ist.
 
Warum sollte man sich dieses Buch kaufen? Sicher, die Texte sind stilsicher amüsant, aber ein Mehrwert in Form neuer Eindrücke, die etwas an der beschriebenen Situation ändern oder auch nur eine zielgerichtete Diskussion ermöglichen könnten, ergibt sich daraus nicht. Wenn man ein ”Lehrerhasserbuch” verfasst, gibt der Titel bereits eine Richtung vor, die bereits etwas zu viel des Schlechten sein kann. Denn es gibt auch die engagierten und kompetenten Lehrkräfte, und vielleicht ist die Sicht der Autorin und Mutter auf die Schule auch etwas einseitig. Aber zweifelsohne war es ein Versuch, die etwas zu ändern, den viele Eltern nicht wagen. Im Zuge der Debatte, die das Buch auslöste, meldeten sich auch Bildungspolitiker, Schuldirektoren und Lehrer zu Wort, und diese könnten die Missstände tatsächlich beheben.
 
Böse Zungen könnten behaupten, ”Elternsprechtag” sollte lediglich im Fahrwasser des erfolgreichen Vorgängers mit wenig Mühe erneuten Reibach produzieren. Meiner Meinung nach soll der Nachfolger jedoch vielmehr die Debatte noch einmal anheizen und will daran erinnern, dass sich immer noch nicht soviel getan hat, wie vielleicht möglich gewesen wäre. Ob dieser Nachfolger und ein mittlerweile erschienenes drittes Buch (”Schulversagen”) der richtige Weg sind, möchte bitte jede/r selbst entscheiden.

Antje Konopka, 23.06.2007