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Rubrik: Comic

Witchblade Takeru (1)

Yasuko Kobayashi, Kazasa Sumita
Planet Manga
ISBN 978-3-86607-470-5
198 Seiten
EUR 9,95

Titelbild: Witchblade Takeru (1)

Comic-Fans werden sich sicher noch die 1995 von Alan Silvestri und Michael Turner erdachte Serie ”Witchblade” erinnern, die frischen Wind in die durch ständige Wiederholungen der immer gleichen Themen erstarrte Superhelden-Szene brachte.
Zusammen mit einer neuartigen Optik, in der die herausragenden körperlichen Attribute der Helden besonders hervor gehoben wurden, veränderten sie auch das Erscheinungsbild und die Handlungsweise der Heldin.
Wie ihre Gegenspieler bewegte sich die Trägerin der Witchblade – Sara Pezzini eine New Yorker Polizistin — nun auch in der Grauzone zwischen Gesetz und Verbrechen. Das Verlangen nach Rache und Selbstjustiz, nicht mehr länger ein ausgeprägter moralischer Gerechtigkeitssinn waren die Triebfedern für den Kampf gegen das Böse.
”Witchblade” eroberte die Comic-Szene und zog bald nicht nur einen Rattenschwanz an Nachahmern, sondern auch eine Fernsehserie nach sich. So muss man sich eigentlich nicht wundern, dass das Serienkonzept irgendwann auch seinen Weg nach Japan fand und mit veränderten Vorzeichen in einen Manga und eine Animeserie umgesetzt wurde: ”Witchblade Takeru”.
 
Takeru lebt mit ihrer Großmutter in einem abgelegenen Tempel. Das Mädchen ist gut erzogen und gehorsam, dennoch wird sie von der alten Frau immer wieder zurecht gewiesen. Sie solle ihre Alpträume nicht für bare Münze nehmen und es ja nicht wagen, sich einem ganz bestimmten Lagerhaus auf dem Gebiet des Tempels zu nähern. Warum, das verrät die alte Frau ihr nicht, sie weiß nur, dass es mit ihrer Mutter zu tun hat.
Eines Morgens ist der Alptraum ganz besonders heftig, so dass Takeru schon mit einem flauen Gefühl im Magen in die Schule fährt und ihrem Mitschüler Kou davon erzählt. Deshalb ist er später auch mit einem geliehenen Motorrad zur Stelle, als sie es nicht länger aushält im Unterricht zu sitzen. Durch einen Wachtraum ahnt sie, das etwas Schreckliches im Kloster geschehen ist.
Und sie soll recht behalten. Der Schrein und die Gebäude stehen in Flammen, die Nonnen werden von seltsamen Kreaturen gequält. Takeru weiß — jetzt muss sie sich dem Geheimnis im Lagerhaus stellen, wenn sie ihre Großmutter, Kou oder all die anderen retten und selbst überleben will. Sie muss die Verbindung mit der ”Witchblade” eingehen, einer gefährlichen magischen Waffe aus alter Zeit, die als einzige gegen Dämonen und andere Kreaturen der Hölle bestehen kann. Aber ihre Handhabung fordert einen hohen Preis.
 
Die Wahl der Heldin ist wohl der größte Unterschied zwischen der alten ”Witchblade”-Serie und der neuen Manga-Umsetzung. Anders als Sarah Pezzini ist Takeru weit davon entfernt, Erfahrungen im Kampf und mit den Schattenseiten des Lebens gesammelt zu haben. Ihr Leben war bisher von Demut und Gehorsam bestimmt, nicht von Selbstbewusstsein und Stärke.
Damit reiht sich die japanische Heldin problemlos in die Schar anderer Kämpferinnen ein, die bereits als erwachsene Version der ”Magical Girls” die Seiten der Mangas unsicher machten. Denn Takeru ist nicht die erste junge Frau, die durch die Vereinigung mit einem magischen Artefakt zur Kriegerin wird und dabei so gut wie alle Hüllen fallen lässt. Es hat schon zuvor andere Heldinnen gegeben, die ihre Abenteuer als eine Orgie aus schlüpfriger Erotik und hemmungsloser Gewalt erlebten.
Zwar mag bei ”Witchblade” noch so etwas wie eine Geschichte zu erkennen sein, die die Geheimnisse nur schrittweise preisgibt und Helden wie auch Gegenspieler nach und nach aufbaut – mehr Aufmerksamkeit legt der Künstler aber in die Darstellung der Kämpfe und der körperlichen Attribute des Schulmädchens. Es geht in erster Linie darum, das Höschen und die Brüste seiner gut für ihr Alter sehr gut ausgestatteten Heldin so oft wie möglich hervor zu heben, wenn nicht gerade Dämonen erledigt werden.
Die Darstellung der Witchblade in der aktiven und ruhenden Form stimmt übrigens exakt mit der amerikanischen Version überein, so dass ein gewisser Wiedererkennungswert besteht.
 
”Witchblade Takeru” wendet sich in erster Linie an den erwachsenen, überwiegend männlichen Teil der Manga-Leser, der schlüpfrige aber nicht zu explizite Erotik in Verbindung mit kampflastiger Action und einem Schuss Horror schätzt und nicht schon genug in dieser Richtung gelesen hat.
Die Alters-Empfehlung ist mit 18 vielleicht etwas hoch gegriffen, da es auch Mangas ab 16 gibt die es in Sachen Gewalt und Erotik genau so heftig treiben, aber viel jünger sollte man keinesfalls sein.
Ob letztendlich auch die Fans der amerikanischen ”Witchblade” angesprochen werden, bleibt noch abzuwarten, da sich sowohl die Darstellung der Frauen als auch deren Einstellung zur Waffe sehr stark voneinander unterscheiden und das schüchterne, unterwürfige Verhalten Takerus nicht unbedingt jedem gefallen dürfte, der die selbstbewusste Sara Pezzini gewohnt ist.

Christel Scheja, 08.10.2007