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Rubrik: Belletristik

Star Wars: Darth Bane - Schöpfer der Dunkelheit

Drew Karpyshyn
Blanvalet
ISBN 978-3-442-24453-9
416 Seiten
EUR 12,00

Titelbild: Star Wars: Darth Bane - Schöpfer der Dunkelheit

Bereits tausend Jahre, bevor die Alte Republik dem Imperium Palpatines weichen musste, tobt der Krieg der Sterne. Die Armeen der Republik und die Bruderschaft der Sith stehen sich gegenüber und schicken ihre Armeen gegeneinander.
Dessel, oder kurz Des, bekommt davon anfänglich nur soviel mit, wie er auf dem abgelegenen Bergwerksplaneten Apatros das kriegswichtige Cortosis-Erz abbaut. Das Leben ist hart, denn den Gewinn für das wertvolle Material streicht ein skrupelloser Konzern ein, der seine Arbeiter durch hohe Lebenserhaltungskosten und geringe Löhne in einer Art Schuldknechtschaft zu halten versteht. Die einzige Perspektive besteht darin, genug zu sparen, um Apatros verlassen zu können, und die ständige desolaten Bedingungen hinter sich zu lassen.
Auch sind die Soldaten der Republik, die gelegentlich auf Apatros nach dem Rechten sehen, sind keine Helden für Des, denn die Ideale, für die sie kämpfen, haben keine Auswirkungen auf die Lebensumstände der Menschen in den Randbereichen der Republik. Immerhin sind sie geeignet, um ihnen nach Feierabend beim Sabacc ein paar Credits abzunehmen – und darin ist Des gut, denn auch wenn er es noch nicht realisiert hat, verbessert seine latente Begabung für die Macht die Chancen im Spiel beträchtlich.
Doch das rauhe Leben bringt rauhe Charaktere hervor, und Des bildet darin keine Ausnahme. Im laufe eines ertragreichen Abends am Spieltisch hat er die Soldaten der Republik genug gereizt, dass es im Anschluss zu einer Auseinandersetzung kommt, bei der ein Soldat ums Leben kommt.
Wohl wissend, dass er trotz seiner Unschuld der Leidtragende des Vorfalls sein wird, muss Des den Planeten vorzeitig verlassen, was nur möglich ist, indem er sich für die Armee der Sith rekrutieren lässt.
Dies ist der Beginn einer Karriere, die Des vom Kanonenfutter seiner Herren zum Schüler der Macht und schließlich zu einem Dunklen Lord werden lässt. Zu dem Dunklen Lord, der den eigenen Orden vernichten wird, um die ursprüngliche Lehre der Dunklen Seite wieder herzustellen: Zwei sollen es sein, nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, ein anderer, der sie begehrt.
 
Drew Karpyshyn, der allenfalls eingefleischten Kennern eher als Autor der Hintergrundgeschichten für Computer- und Videospiele bekannt sein dürfte, ist vermutlich über Romane zu eben diesen Spielen und sicherlich auch über seine maßgebliche Mitarbeit an ”Knights of the Old Republic” zu den Star-Wars-Autoren gestoßen.
Trotz dieses klassischen Quereinstiegs liefert er einen soliden Roman, der keineswegs die typischen Merkmale – oder gar Schwächen – aufweist, die man bei Romanen zu Spielen häufig feststellen kann. Karpyshyn lässt der Handlung und den Charakteren Zeit, sich zu entwickeln und bemüht Stereotypen und Klischees in treffender Weise dort, wo sie im SW-Universum ohnehin einen festen Platz haben. Auch die genre-übliche Mischung aus Action, Intrigen, markigen Posen und heroischen Dialogen ist gut ausgewogen.
 
Echte Höhepunkte hat die Handlung allerdings nicht und im letzten Drittel beginnt sie sogar ein wenig und im letzten Viertel sogar ein wenig mehr zu schwächeln – man hat den Eindruck, als wollte der Autor schnell zum Ende kommen. Das kann man ihm jedoch kaum verdenken, denn interessant ist tatsächlich eher der Aufstieg Darth Banes zum Sith-Lord, weniger die lästige Pflichtübung, sich noch des Anhängsels zu entledigen, dass sich Dunkle Bruderschaft nennt. Dies geschieht dann auch in einer Art und Weise, die als Spiel oder Film visualisiert sicherlich eindrucksvoll wäre, aber in schriftlicher Form nicht viel her macht.
Doch das soll den grundsätzlich positiven Eindruck nicht schmälern, zumal der fesselnde Teil der Erzählung qualitativ und quantitativ überwiegt, sprich: deutlich mehr Eindruck hinterlässt.
 
Ein echter Wermutstropfen ist leider wieder einmal die deutsche Übersetzung des Romans, in der von Sorgfalt nicht die Rede sein kann. Ich wage zu behaupten, dass ich maximal drei zufällige Seiten aufschlagen muss, um eine Stelle zu finden, wo ich selbst ohne Kenntnis des Originals auf sprachliche Kapriolen der peinlicheren Art stoße, weil sie weniger etwas mit schlechter Übersetzung an sich, als vielmehr mit schlechtem Deutsch zu tun haben.
Ich mache das mal eben ... Eine Seite ist sauber ... Die zweite Seite ein Treffer! Da ist zu lesen: ”Die Rakata waren bereits kurz vor dem Aussterben gestanden.” – Ja, genau. Wer oder was hat denn die Rakata gestanden? Und was ist an den Rakata so schlimm, dass man sie erst gestehen darf, wenn das Aussterben kurz bevorsteht? Fragen über Fragen, die nicht aufkämen, würde man das ”waren” gegen das korrekte gebeugte Hilfsverb ”hatten” austauschen.
Schadenfreude beiseite: Ich möchte nicht päpstlicher sein als der Papst selbst, zumal man mit etwas Suchen auch in dieser Rezension Fehler finden kann, aber solche groben Schnitzer sind, zumal wenn sie gehäuft auftreten, einfach nur lästig und ließen sich mit etwas mehr Sorgfalt leicht vermeiden. Besonders jene Leser, die nicht auf die englischen Ausgaben ausweichen können oder möchten, würden es danken.

Martin Hoyer, 07.07.2007