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Rubrik: Belletristik

Lauros - Die Heimkehr des träumenden Gottes

Michael Sagenhorn
Books on Demand GmbH
ISBN 3-8334-5539-X
164 Seiten
EUR 9,80

Titelbild: Lauros - Die Heimkehr des träumenden Gottes

Raul ist ein durchschnittlicher Junge, der in der Schule durchschnittlich gut ist und eigentlich nichts Besonderes an sich hat. Bis auf eines: Seine Träume. Oft hat er im Schlaf Dinge aus der Zukunft gesehen, die sich später wirklich genau so zugetragen haben. Aber viel erschreckender sind die Erinnerungen an Traumreisen, die ihn in Welten führen, die er nicht kennt. Er findet sich schon mal zwischen Monstern wieder. Dann wieder ist er eingekerkert und sieht spinnenartige Wesen mit Armen wie Waffen, die einen jungen Mann auspeitschen. Irgendwann hält Raul diese Belastung nicht mehr aus. In der Schule reagiert er extrem aggressiv auf seine Lehrerin und seine Mitschüler. Und das alles, weil seine Träume ihn plötzlich auch bis ins reale Leben verfolgen. Er sieht in seiner Schulfreundin eine der Gestalten aus seinen Träumen. Spätestens jetzt ist er sich sicher, dass es so nicht weitergehen kann. Er trifft sich mit seinen beiden besten Freunden und will ihnen von seinen Albträumen erzählen.
 
Doch damit geht das Abenteuer erst richtig los. Die beiden Jugendlichen, mit denen er verabredet ist, verwandeln sich unversehens in grauenhafte Kreaturen, die ihm nach dem Leben trachten. Allerdings taucht auch ein seltsamer Mann auf, der ihm zur Seite steht. Raul findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die von Göttern und Monstern bewohnt wird. Es gibt Schmetterlingswesen, Riesenspinnen, einen dunklen Hexer und viele mehr. Zu seiner größten Verwunderung erfährt Raul, dass auch er ein Gott sein soll, nämlich der Traumgott Lauros. Aber ist er das wirklich? Und was sind das für seltsame Dinge, an die er sich nach und nach erinnert?
 
”Lauros – Die Heimkehr des träumenden Gottes” ist der Debüt-Roman von Michael Sagenhorn. Für ein Erstlingswerk handelt es sich hier um eine erstaunlich kraftvolle und gut durchdachte Geschichte, die mit vielen unerwarteten Wendungen überrascht. Der Leser begleitet Raul aus der Welt der Menschen, wie wir sie kennen, in eine Welt voller neuer Geschöpfe. Sagenhorn hat eine einzigartige Götterwelt erschaffen, in der er seinen Roman spielen lässt.
 
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und man fühlt mit Raul mit. Im Laufe seiner Reise entdeckt er immer wieder einzelne Erinnerungs-Fragmente aus seiner Vergangenheit, sie sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Er ist auf der Suche nach sich selbst. Bei dieser Suche steht ihm der lachende Gott Slim zur Seite, der ihm immer wieder versichert, er sei Lauros. Aber es gibt dort auch noch andere Götter, die den Traumgott in ihm nicht erkennen, so dass er aus sich selbst heraus die Wahrheit entdecken und seinen eigenen Weg finden muss.
 
Sagenhorn beschäftigt sich auch mit der Frage, ob wirklich ”Böse” und ”Gut” immer so leicht zu trennen sind. Können die Guten nicht auch zu Verrätern werden? Kann nicht sogar Raul selber Hass empfinden? Diese Fragen werden gekonnt in den Roman eingebaut und der Leser begibt sich mit dem Protagonisten gemeinsam auf die Suche nach den Antworten.
 
Zum Teil weist der Roman sogar Krimi-Qualitäten auf. Besonders das Ende ist extrem spannend und hält unerwartete Überraschungen bereit. ”Lauros” ist eine Fantasy-Geschichte, die neue, interessante Elemente enthält und absolut lesenswert ist.

Bine Endruteit, 20.01.2007