Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Comic

Halo: Graphic Novel

Lee Hammock, Jay Foerber, Tsutomo Nihei, Brett Lewis, Simon Bisley, Ed Lee, Andrew Robinson, Tsutomo Nihei, Jean Giraud (Moebius)
Panini Comics
ISBN 978-3-86607-480-4
128 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Halo: Graphic Novel

HALO ist einer der bekanntesten Ego-Shooter im Bereich der Science Fiction. Vordergründig geht es bei dem in erster Linie für die X-Box entwickelten Spiel um den Konflikt zwischen den Menschen und einer außerirdischen Rasse, den Covenant.
Auf dem Ringplaneten Halo hat alles begonnen, Dort entdeckten die Aliens, die bisher still und heimlich eine Invasion des von Menschen besiedelten Gebiets im All vorbereiteten, ein mächtiges Artefakt und beschlossen damit das Gleichgewicht der Kräfte durcheinander zu bringen. Glücklicherweise wurde diese Absicht rechtzeitig entdeckt und ein heftiger Kampf, der mit allen Mitteln geführt wurde begann.
Die exotischsten Waffen, Fahrzeuge und gentechnisch veränderte Soldaten zogen aus, um die Menschen vor den Fremden zu beschützen.
Nach der Zerstörung von Halo wurde die Schlacht in den Weltraum getragen, denn die Covenant gaben sich noch lange nicht geschlagen und suchten nach neuen Chancen, die Menschheit zu vernichten.
 
In der Graphic Novel finden sich vier Abenteuer, die von mutigen Menschen und ihrem Kampf gegen unerbittliche Gegner berichten:
In ”Die letzte Reise der Infinite Succor” folgt der Elite-SpecOps-Commander einer am Rand des Kampfgebietes gelegenen Einheit dem Notruf eines Versorgungsschiffes, nur um festzustellen, das auf dem havarierten Agrar-Kreuzer längst kein menschliches Leben mehr ist, sondern etwas viel Gefährlicheres. Nun muss er alle seine Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen, um zu überleben.
Ein ”Rüstungstest” ist unerlässlich, wenn ein Spartaner an vorderster Front überleben will, denn nur sie kann ihn am Ende vor den Covenant beschützen. Allerdings kann er sich nicht immer darauf verlassen, das die technischen Entwickler immer ein faires Spiel mit ihm treiben.
Sergeant Avery Johnson ist von den Flood, einer von den Covenant verbreiteten parasitären Lebensform befallen. Trotzdem wagt er den ”Ausbruch aus der Quarantäne” innerhalb eines außerirdischen Artefaktes. Denn er hat nur drei Optionen, zu entkommen und seiner Wege zu ziehen, entweder hier oder auf der Flucht zu sterben.
Um ein auf der Erde verborgenes Artefakt zu erobern, haben die Streitkräfte der Allianz Neu-Mombasa dem Erdboden gleich gemacht. Doch in der Erinnerung gibt es immer einen ”Zweiten Sonnenaufgang über Neu-Mombasa”, in dem sich die wenigen Überlebenden an die glitzernde Stadt und ihre Bewohner erinnern, die bis zuletzt gekämpft haben.
 
Welches Medium eignet sich besser als ein Comic, um weitere Geschichten aus dem HALO-Universum zu erzählen? Er ist genau so wie das Spiel ein Medium, das in erster Linie von den visuellen Effekten lebt. Nur kann er sich durch seine eher statische Form der Erzählweise die Zeit nehmen, eine ausführlichere Handlung zu erzählen und aus Archetypen lebendige Menschen mit Stärken und Schwächen zu machen, was hier aber leider nicht in im höchstmöglichen Maß ausgenutzt wird. Es gibt zwar leichte Ansätze, aber die ersticken leider im Keim. Einzig in der letzten und auch besten Geschichte merkt man ein wenig mehr davon. Hier spielt wohl auch die Erfahrung des Künstlers Moebius eine Rolle — ihm gelingt es als einzigem, eine Brücke zwischen den Mechanismen des Spiel und seiner eigenen Sichtweise des Universums zu schlagen.
Den anderen drei Geschichten merkt man eher an, dass sich ihre Autoren und Künstler mehr an die vorgegebenen Richtwerte halten. Sie geben im Prinzip reine Szenarien und klassische Situationen aus dem Spiel selbst wieder, als dass sie mit dem Hintergrund spielen.
Das macht die Graphic Novel wohl am meisten für Fans von HALO selbst interessant. Die eingefleischten Spieler können ihr Universum in den einzelnen Abenteuern detailliert wiederfinden, und werden vielleicht auf das ein oder andere, was sie bisher noch nicht bemerkt hatten aufmerksam.
Für einen Einstieg in das Halo-Universum ist die Graphic-Novel eher weniger interessant, da die Geschichten zu viel Vorwissen verlangen. Man kann zwar einen ersten Einblick in die Hintergrundgeschichte und die wichtigsten Helden-Archetypen gewinnen, aber wirklich vertraut mit dem, was HALO ausmacht, kann man nicht werden. Um einfach nur als Science-Fiction-Comic interessant zu sein, sind könnten die Geschichten zu wenig für sich alleine stehen.
Künstlerisch ragt vor allem die letzte Geschichte heraus. Man merkt ”Zweiter Sonnenaufgang über Mombasa” den sicheren Strich von Moebius an, während die anderen Geschichten zeichnerisch eher unausgeglichen und skizzenhaft wirken, vor allem ”Rüstungstest”.
 
Damit wendet sich die Graphic-Novel vor allem an passionierte Spieler von HALO, die hin und wieder auch gerne einmal lesen, und weniger an den normalen Comic- oder Science Fiction-Fan, da die erzählten Abenteuer und die Bilder zu sehr auf das Spiel selbst bezogen sind und zu wenig Eigenständiges bieten.

Christel Scheja, 05.12.2007