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Rubrik: Sachbuch

Die Sixtinische Kapelle

Pierluigi de Vecchi, Gianluigi Colalucci
Bassermann
ISBN 978-3-8094-2080-4
271 Seiten
EUR 24,95

Titelbild: Die Sixtinische Kapelle

Ein Besuch der Vatikanischen Museen in Rom lohnt sich. Vorbei an bedeutenden Gemälden, Skulpturen, Wandteppichen und leider auch an unzähligen – von Nonnen geführten – Souvenirständen, steuert der findige Kunstkenner schnellstmöglich dem Höhepunkt der Ausstellung entgegen: der ”Sixtinischen Kapelle”.
Die bekanntesten Künstler der Renaissance, darunter Raffael und Michelangelo waren an der Verzierung des kleinen Kirchenraumes beteiligt. Besonders beeindrucken die oft zitierten Werke Michelangelos, wie z.B. ”Die Erschaffung Adams”, ”Der Sündenfall” oder das ”Jüngste Gericht”, die nach der umfassenden Restaurierung wieder voll zur Geltung kommen und auch das zentrale Thema des vorliegenden Bildbandes sind.
 
Zwei Jahre nach Enthüllung der letzen restaurierten Teile des Freskos im Jahre 1994 erschien auch eine umfassende Monographie über die Sixtinische Kapelle. Pierluigi de Vecchi, ein italienischer Professor für Kunstgeschichte, und Gianluigi Colalucci, der Chefrestaurator für Gemälde, päpstliche Monumente, Museen und Galerien des Vatikan, sind die Verfasser des umfangreichen Bildbandes, welcher in diesem Jahr in einer Neuauflage herausgebracht wurde.
Ebendiese ermöglicht dem Leser einen Blick auf die Bildwerke Michelangelos, die nicht einmal ein direkter Besuch der Kapelle bieten könnte – jedenfalls nicht, wenn man sie als normalsterblicher Tourist besucht. Bis ins kleinste Detail wurden Teile des Freskos in ausgezeichneter Qualität abgelichtet und auf großformatigen Seiten abgedruckt. So kommt der Leser schon bei der Betrachtung von Michelangelos Meisterstücken ins Schwärmen. Hier würde sich jeder noch so kleinste Fehler des Künstlers offenbaren, doch die Malereien bestechen damals wie heute durch ihre Lockerheit, Farbmodellierung, dem Beherrschen der Perspektive und den innovativen Ideen bei der Umsetzung der biblischen Vorlage. Kein Wunder, dass der bis dato nur als Bildhauer anerkannte Künstler für sein Lebenswerk schon zu seiner Zeit zahlreiche Bewunderer fand.
 
Die mustergültigen Fotografien werden durch detaillierte Beschreibungen über die Produktion und Ikonographie eines jeden Teils des Freskos ergänzt. Zum Vergleich werden auch Drucke der Malereien vor der Restaurierung danebengestellt. Das letzte Kapitel ist dann ganz der umfassenden Restaurierungsgeschichte der Sixtinischen Kapelle gewidmet, die bereits 50 Jahre nach der Fertigstellung der Michelangelo-Fresken begann.
 
Die Monographie über die berühmte Sixtinische Kapelle war eine runde Sache und ist es immer noch. Wer schon beim Betrachten der Bilder ins Schwärmen gerät, den erwartet obendrein noch ein interessanter, nicht allzu schwer verständlicher Text über Anfänge, Malereien und Restaurierungsmaßnahmen der Kapelle. Ein Besuch der Kapelle ist natürlich trotzdem empfehlenswert.

Antje Konopka, 14.06.2007