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Rubrik: Sachbuch

Wunder, Pleiten und Visionen

Jörg Lichter, Christoph Neßhöver
Econ
ISBN 978-3-430-20036-3
432 Seiten
EUR 24,90

Titelbild: Wunder, Pleiten und Visionen

Rowohlt ist die erste wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der deutschen Nachkriegszeit. 1945 erhält der Verlag seine Lizenz. Und was klein begann, zählt heute zu den bedeutensten Unternehmen seiner Branche. Die Geschichte des Unternehmens ist gleichzeitig Episode I einer über 60 Jahre währenden deutschen Wirtschaftsgeschichte, die neben großen Erfolgen auch viele Pannen kannte. ”Wunder, Pleiten und Visionen” ist daher der passende Titel für einen Streifzug durch sechs Jahrzehnte deutsche Wirtschaftsgeschichte, herausgegeben von Jörg Lichter und Christoph Neßhöver.
 
Kennt das bekannte Verlagshaus Rowohlt fast nur Höhepunkte, so könnte man als Gegenbeispiel die Geschichte des deutschen Bergbaus als einen wirtschaftlichen Abstieg bezeichnen, der im Jahre 1958 begann. Am 22. Februar des Jahres legten erste Bergleute sogenannte ”Feierschichten” ein: 16.000 Mann erschienen nicht zur Arbeit, weil das einst so lukrative Geschäft mit der Kohle keins mehr war. Der Abschied vom Bergbau hält bis heute an. Immer wieder verlängern Subventionen und politisches Taktieren den Kampf um die letzten Kohleförderstätten und Arbeitsplätze. Dieser war schon in den 60er Jahren vergebens, als zunehmend das ”saubere” Öl importiert wurde und der Preis der Kohle fiel.
 
Eine weitere Episode beginnt 2003. Die Agenda 2010 oder besser bekannt als ”Hartz IV”, benannt nach dem damaligen Volkswagen-Personalvorstand Peter Hartz, war das Hartz... – Verzeihung – Herzstück der späten Reformpolitik der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Es bringt weitreichende Veränderungen für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Zunächst einmal lösten die Reformen große Unzufriedenheit und Protest aus. Wirkung zeigt sie erst heute, denn dass die deutsche Wirtschaft boomt, verdankt sie auch der größten Wirtschaftsreform seit Kriegsende.
 
Nichts könnte man langweiliger vermitteln als Wirtschaftsgeschichte, man muss dazu nur wie üblich ein paar Statistiken mit endlosen verklausulierten Textpassagen verknüpfen.
Das Autorengespann Lichter/Neßhöver hat es sich zur Aufgabe gemacht, den trockenen Stoff mit wissenswerten Details, Bildern und amüsanten Überschriften aufzulockern. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Lektüre, die 60 manchmal witzige, zuweilen traurige, aber immer interessante Erfolgsgeschichten und Reinfälle der deutschen Wirtschaft vorstellt.

Antje Konopka, 16.10.2007