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Rubrik: Sachbuch

Reisebericht eines T-Shirts

Pietra Rivoli
Ullstein Taschenbuch
ISBN 978-3-548-36945-7
336 Seiten
EUR 8,95

Titelbild: Reisebericht eines T-Shirts

Ein T-Shirt hat wohl jeder schon mal angehabt. Dieses Kleidungsstück ist vielseitig und zu fast allem kombinierbar: ob sportlich zur Trainingshose, lässig zur Jeans oder als enganliegendes Baumwollteil zum Rock. Und man bekommt es in fast jeder Farbe und mit den verschiedensten Aufdrucken. Alle großen Labels, von Adidas über Puma bis zu Tom Taylor, haben die Multitalente in ihrem Sortiment.
Doch wer hat sich schon mal Gedanken gemacht, wo das T-Shirt eigentlich herkommt? Wo die Baumwolle angebaut wird, wo es zusammengenäht wird oder was mit dem T-Shirt passiert, wenn wir es in die Altkleidersammlung gestopft haben? Wohl eher wenige.
Die Autorin und bekennende T-Shirt-Trägerin Pietra Rivoli hat es getan und sich auf die Spuren ihres T-Shirts begeben. Die Entstehungsgeschichte ihres kurzärmeligen Baumwolloberteils führte sie dabei um die ganze Welt. Ihre Erlebnisse hat sie in ihrem Buch ”Reisebericht eines T-Shirts” zusammengefasst.
 
Der Rohstoff für ein vollwertiges T-Shirt ist natürlich Baumwolle. Und diese kommt meistens aus den USA, genauer gesagt aus Texas. Aber warum ausgerechnet Texas, da sind die Löhne doch viel höher als z.B. in Asien, wo auch Baumwolle angebaut wird? Diese Frage hat sich die Autorin auch gestellt und bekommt die Antwort von einem netten älteren Ehepaar auf einer riesigen Baumwollplantage in Texas, der Nelson Reinschs Baumwollfarm in Smyer.
 
Weiter geht es nach China, wo die Baumwolle weiterverarbeitet wird. Hier besucht Rivoli die Managerin einer Fabrik mit der Nummer 36, Tao Yong Fang. In dieser und unzähligen weiteren Werken wird die Baumwolle zunächst zu Farn gesponnen, dann zu Stoff gewebt, in Stücke geschnitten und schließlich zu einem T-Shirt vernäht. Ein ”Made in China-Schildchen” wird noch hinzugefügt und verrät später jedem Träger die Herkunft seiner Oberbekleidung.
 
Dann wird das fertige Shirt wieder nach Amerika oder in andere Länder wie Europa exportiert und noch mit einem schicken Aufdruck versehen. Und bald ist es auch für jedermann in fast jedem Geschäft erhältlich, von ganz teuer bis sehr billig, dank chinesischem Billiglohn.
Doch hier ist die Reise des T-Shirts noch nicht beendet, denn mit der Abgabe in der Altkleidersammlung ist seine Karriere noch nicht vorbei. Auch der afrikanische Erdenbürger bekommt die Chance ein T-Shirt, auch mal von einer edlen Marke, zu erwerben, nämlich gebraucht vom Wochenmarkt.
 
Doch was hier noch knapp zusammengefasst ist, stellt Rivoli natürlich viel genauer und ausführlicher dar. Für ihr Werk hat sie mit allen wichtigen Leuten, die an der Herstellung dieses Alttagsproduktes beteiligt sind, geredet. Sie ist auf die Plantagen, in die Fabriken und auf den Wochenmarkt gegangen. Darüber hinaus hat sie gewissenhaft recherchiert, sich z.B. mit den politischen Verhältnissen in den Ländern beschäftigt, durch die der Weg des T-Shirts ging. Auch ein Exkurs in die Geschichte, welcher den Stand der heutigen Textilindustrie besser verstehen hilft, fehlt hier nicht.
Vielleicht ist es so an mancher Stelle auch etwas zu viel Information, aber der flotte und flüssige Schreibstil der Autorin lässt einem das Buch doch immer wieder zur Hand nehmen.
Und ganz nebenbei erfährt man, wie die Weltwirtschaft funktioniert.

Antje Konopka, 29.12.2007