Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Belletristik

Die neue Welt

Michael A. Stackpole
Heyne
ISBN 978-3-453-52451-4
624 Seiten, Paperback
EUR 14,00

Titelbild: Die neue Welt

Fällt der Name Stackpole im Zusammenhang mit Fantasy, denkt der geneigte Leser vielleicht an den Zyklus ”Düsterer Ruhm”, wo es der Autor vollbrachte, gängige Fantasy-Motive mit neuen Ideen anzureichern und mit sympathischen Figuren — über den kompletten Umfang von acht Bänden — zu einer spannenden Geschichte zu verquicken.
 
Im aktuellen Zyklus ”Die Sage der verlorenen Welt” gelang das bereits in den ersten beiden Bänden nur teilweise. Vor lauter Worldbuilding blieben die meisten Charaktere häufig konturlos, und auch die Spannung weitestgehend auf der Strecke, weil sich Stackpole in ausufernden Hintergrundbeschreibungen verlor.
Leider ändert sich daran auch im dritten, abschließenden Band praktisch nichts. Zwar ist die Bühne bereitet und alle Akteure sind vorgestellt, aber die Handlung tut sich nach wie vor schwer damit, in die Gänge zu kommen. Die zigste Intrige auf menschlicher und göttlicher Ebene wird nun einmal irgendwann uninteressant, auch wenn sie noch so gut gesponnen ist.
 
Ein weiteres Handikap sind die Figuren, die überwiegend zu abgehoben sind, um sich als Leser mit ihnen identifizieren zu können. Zwar versucht Stackpole sichtlich, nun verstärkt den Göttern ausgesprochen menschliche Züge zu verleihen, was aber nach zwei umfangreichen Bänden voller Erhabenheit nicht so recht passen will.
 
Somit ist auch der Abschluss der Trilogie nicht ohne Wermutstropfen. Auf der Haben-Seite findet man die fantasievolle Welt, die durch die — am Genre gemessen — ausgezeichnete Stilsicherheit Stackpoles zum Leben erweckt und auch durch die Übersetzung von Reinhold Mai keineswegs getrübt wird. Auf der anderen Seite stehen Figuren, für die man nur schwer Sympathie entwickeln kann, und eine auf drei sehr umfangreiche Bücher ausgewälzte Rahmenhandlung, vor der die Kernerzählung nur allzu oft unsichtbar wird.

Rainer Hannig, 07.08.2008