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Rubrik: Comic

100% Marvel (26): Ghost Rider - Strasse zur Verdammnis

Garth Ennis, Clayton Crain
Marvel / Panini Comics
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: 100% Marvel (26): Ghost Rider - Strasse zur Verdammnis

”Im tiefsten Schlund der Hölle erzählt man eine Geschichte von einem Reiter, der Stahl und Eisen schmilzt. Der auf den weiten dunklen Ebenen zwischen Acheron und Styx umherrast, um mit aufheulendem, gequälten Motor das letzte bisschen Kraft aus den pumpenden hämmernden Kolben zu zerren. Um seine Seele zu retten ...”
[Ghost Rider, Die Strasse zu Verdammnis]
 
Dass es hitzig zugeht auf den Straßen der Unterwelten, kann man sich denken. Wenn aber Garth Ennis und Clayton Crain dem Ghost Rider jede Nacht eine Heerschar von Dämonen hinterherschicken, die ihn daran hindern sollen, das Tor aus der Hölle zu finden, dann wird es selbst dem Teufel zu heiß.
 
Rechtzeitig zum Start der (mäßigen) gleichnamigen Verfilmung mit Nicolas Cage in der Hauptrolle bringt PANINI COMICS die deutsche Version von ”The Road To Damnation” heraus. Im perfekten Hochglanz thront Johnny Blaze, alias Ghost Rider, im Sattel seiner Harley auf dem Titelbild des MARVEL Comics. Unter dem Cover verbergen sich alle sechs Teile der ”Straße zur Verdammnis”, die über 148 Seiten aus der Hölle auf die Straßen einer düsteren Gegenwart und wieder zurück führen.
 
Die Story von Garth Ennis ist düster und actionreich. Die Dialoge sind zumeist knackig kurz und sprachlich durchaus gefällig. Dazu trägt wohl auch die deutsche Übersetzung Steve Hups ihren Teil bei, so dass auch die humorvollen Details, mit denen der Autor seiner Meinung zu Religion und Kirche eine sarkastische Stimme verleiht, nicht verloren gehen. Zeitweilig erinnern die beiden Engel, Daniel und Malachi, welche die Rahmenhandlung verklickern, ein wenig an Kevin Smiths Loki und Bartleby. Sie haben ihre ganz eigenen Interessen, die sowohl den Himmel als auch die Hölle veranlassen, ihre eigenen Schergen ins Feld zu führen, um das Ende der Erde zu verhindern. Der fette Texaner-Dämon Hoss von unten und die kaltblütige Engelsdame Ruth von oben sollen den Dämon Kazann dran hindern, die Menschenwelt in eine zweite Hölle zu verwandeln. Aber welche dritte Partei hat den Ghost Rider aus der Unterwelt befreit und ihm dieselbe Aufgabe gegeben? Dem verfluchten Motorradfreak ist das egal, denn sein Lohn soll die Erlösung sein; bis dahin liegt jedoch der Weg über die Straße der Verdammnis vor ihm.
 
Man wähnt sich auf dieser Stecke beinahe als Sozius des verdammten Bikers, spürt die sengende Hitze seines brennenden Totenschädels, wenn sich die Zeichnungen Clayton Crains vor einem auftun. Perfekte Tiefen und Farben geben der finster okkulten Handlung eine nahezu teuflische Realität. Insbesondere die Kreaturen der Unterwelt sind von erschreckender Monstrosität. Lovecrafts Dämonenwelten, eingebettet in einen kafkaesken Albtraum, könnten kaum groteskere Sinnesverzerrungen hervorrufen als ein seitenüberspannendes Szenario des Satanischen bei Crain. Die heißen Versprechungen des flammendurchzogenen Covers löst das infernalische Innere ohne Zugeständnisse an die Seitenzahl ein.
 
”Ghost Rider – Die Straße zur Verdammnis” ist ein begnadetes Comicwerk aus der Marvelschmiede der Superhelden, wenngleich der totenköpfige Kradfahrer alles andere als einen Held im herkömmlichen Sinne verkörpert. Weniger um Erde und Menschheit als um sein eigenes Schicksal besorgt, ist er vielleicht gerade deshalb die willkommene Abwechslung von Spiderman und Co.
 
Fazit: ”Ein benzingezeichneter Ritt durch die Tiefen der Marvelhöllen.”

André Vieregge, 12.03.2007