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Rubrik: Comic

The Fountain

D. Aronofsky, K. Williams
Vertigo / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-337
176 Seiten
EUR 19,95

Titelbild: The Fountain

In ”The Fountain”, was soviel heißt wie Brunnen oder Ursprung, versucht ein Mann in drei verschiedenen Leben und über tausend Jahre seine große Liebe vor dem Tod zu bewahren.
Wir begleiten zunächst Tomas, er ist im 16. Jh. im Auftrag der Königin Isabel, seiner Geliebten, unterwegs um mit der spanischen Armee die Mayas zu bekämpfen. Im Falle des Sieges gegen das Urvolk wäre vielleicht der Schlüssel zum ewigen Leben der Gewinn.
In der Gegenwart versucht Tom als Mediziner seine an Krebs erkrankte Frau Izzy zu retten indem er beharrlich und ehrgeizig nach einem Heilmittel forscht. Sie stirbt, bevor er sie heilen kann.
In der Zukunft ist Tom ein Forscher, unterwegs in den Weiten des Alls und versucht das Sterben eines Sterns zu ergründen. Er sinniert über seine Vergangenheit nach und findet vielleicht die lang ersehnte Erlösung von seinen Leiden.
 
Darren Aronofsky (”Requiem for a Dream”, ”π”) verwirklichte seine epische Geschichte über drei Leben und tausend Jahre innerhalb von sechs Jahren. Nachdem das Filmprojekt 2002 aufgrund zu hoher Kosten zunächst auf Eis gelegt werden musste, konnte Aronofsky den Zeichner Kent Williams verpflichten, seine Geschichte graphisch und malerisch umzusetzen. Es entstand eine außergewöhnliche Graphic Novel.
Williams ist US-amerikanischer Illustrator, Künstler und Comic-Autor, der bereits mit ”Blood: A Tale” (1987), ”Wolverine: Meltdown” (1990) und ”Wolverine: Killing” (1993) als Comic-Künstler auffiel und darüber hinaus als Maler bekannt ist, dessen Bilder regelmäßig Rekordsummen erzielen.
 
Dass Kent außergewöhnlich talentiert ist, merkt man dem Graphic Novel zweifelsohne an. Er benutzt voller Leidenschaft alle Mittel, die ihm als Maler und Graphiker zur Verfügung stehen: Ölfarbe, Tusche, Bleistift, Kohle, Wasserfarbe, Filzstifte u. a. und es entstanden für jede Szene kunstvolle Malereien, Zeichnungen, Skizzen, die besonders durch ihre spontane Ausführung begeistern.
 
So hat Williams die drei Leben von Tomas in verschiedenen Zeichenstilen gestalten. Sein erstes Leben in farbigen, malerischen Bildern, sein zweites Leben in Tusche und Wasserfarbe und die dritte Episode als Verbindung von beidem. Ganz besonders aufwendig gestaltet der Illustrator die Gesichter der Protagonisten, Tomas und seine Geliebten. Es gelingt ihm dabei außergewöhnlich gut, die Emotionen der Charaktere herauszustellen.
 
An sich reicht die wunderbare Umsetzung der Geschichte schon aus, um ”The Fountain” als ein herausragende Arbeit zu bezeichnen, wäre es auf der anderen Seite nicht manchmal schwer, der alles andere als leicht zugänglichen Geschichte von Aronofsky zu folgen. Worum es eigentlich geht, erschließt sich erst ganz am Ende des Bandes, obgleich nicht alle offenen Fragen beantwortet werden. In der Quintessenz ist es eine Geschichte um Liebe und Tod, und dass die Liebe nach dem Tod nicht endet.
Somit ist ”The Fountain” etwas für Liebhaber von aufwendigen Zeichnungen und mystischer Romantik, die sich gern mit rätselhaften Themen auseinander setzen.
 
Letztendlich konnte Aronofsky doch noch einen Film aus seiner Geschichte machen, nachdem er einige Änderungen am Skript vornahm. Nun entstand 2006 ein Independent-Film mit deutlich weniger Budget, der aber gute Kritiken und mehrere Auszeichnungen erhielt.

Antje Konopka, 14.02.2007