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Rubrik: Sachbuch

Das große TV SPIELFILM Filmlexikon

Mark Schlemmermeyer (Hrsg.)
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ISBN 3-89996-578-7
3840 Seiten
EUR 39,95

Titelbild: Das große TV SPIELFILM Filmlexikon

”Das große TV SPIELFILM Filmlexikon” enthält Beschreibungen zu über 6.800 Spielfilmen, aufgeteilt auf sechs Bände in einem Sammelschuber.
 
Man mag sich fragen, wozu im Zeitalter umfangreicher, ständig aktualisierter elektronischer Filmdatenbanken ein gedrucktes Lexikon überhaupt noch Sinn macht. Die Antwort ist: Es geht weniger um die Information, als um die Meinung, und daran lässt die Konzeption der vorliegenden Bände auch keine Zweifel. Mal mehr, mal weniger bekennend subjektiv äußern sich die Redakteure zu den Filmen und liefern Ansichten, die der Cineast mit der eigenen vergleichen kann. Dies ist zweifelsohne eine manchmal höchst willkommene Abwechslung zur Beliebigkeit elektronischer Datenbanken, wo jeder seinen Senf – häufig unqualifiziert und gelegentlich bar jeder Umgangsformen – dazugeben kann. Wem das fehlt, findet dafür allerdings genügend Plattformen, während das Gegenteil sehr viel seltener geworden ist. Und, nicht zu vergessen, Bücher kann man mitnehmen, wenn man sich gemütlich Appetit auf einen Filmabend machen will, über dessen Programm man sich noch unklar ist. Die Form der Beiträge lädt zum gemütlichen hintereinander lesen ein, auch wenn das Ganze durchaus als Nachschlagewerk funktioniert.
 
Der einzige echte Schwachpunkt ist, wie bereits erwähnt, der vergleichsweise geringe Informationsgehalt. Jedem Artikel werden zwar die wichtigsten Daten wie Regie, Drehbuch, Spieldauer etc. voran geschickt, doch über die Hintergründe des Films erfährt man nur etwas, wenn die zwingende Kürze der Beiträge dem jeweiligen Redakteur neben der Inhaltsangabe noch Raum dafür lässt. Meistens bleibt es dann bei einigen Zitaten von Machern und/oder Darstellern; bestenfalls ein paar Anekdoten finden noch ihren Weg in die Beiträge.
Das jedoch ist sehr schade, da gerade hier einer der Vorteile der aus der Mode gekommenen gedruckten Publikation liegt. Etwas mehr Mut zum Essayistischen hätte dem Lexikon ebenso wenig geschadet wie mehr Ausführlichkeit zu Ungunsten der Anzahl. Denn eine Selektion findet nicht statt, und so stehen eher uninteressante Filme in jeder Hinsicht gleichberechtigt neben solchen, die Filmgeschichte schrieben. Wenn schon keine generelle Selektion, so hätte eine verkürzte Beschreibung bei erklärten Zelluloid-Gurken den nötigen Raum für etwas mehr Ausführlichkeit bei (modernen) Klassikern geschaffen.
 
An der Qualität der Beiträge an sich besteht hingegen kein Zweifel. Von nüchtern-analytisch bis subjektiv-sarkastisch sind alle Spielarten der Filmbeschreibung vertreten; allen gemeinsam ist, das sie ihr treffend und überdies lesenswert sind. Über die geäußerten Wertungen kann man sich natürlich in so manchem Fall trefflich streiten – aber seien wir ehrlich, anderer Meinung zu sein ist unter Filmfreunden ebenso erfüllend, wie die eigene bestätigt zu finden.
Einige Seiten mit locker arrangierten Szenen- und Personenfotos in der Mitte jeden Bandes runden den Eindruck positiv ab.
 
Alles in allem ist ”Das große TV SPIELFILM Filmlexikon” zwar nicht so groß, wie es hätte sein können, jedoch vom Preis-/Leistungsverhältnis her überzeugend und sollte in der Sekundärliteratur von Cineasten nicht fehlen.

Rainer Hannig, 25.11.2006