Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Sachbuch

Schwarzbuch der Weltgeschichte

Hans Dollinger
area
ISBN 3-89996-253-2
704 Seiten
EUR 14,95

Titelbild: Schwarzbuch der Weltgeschichte

”5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind”, so der Untertitel des Buches ”Schwarzbuch der Weltgeschichte” vom renommierten Historiker und Publizisten Hans Dollinger. Tatsächlich werden Menschenrechtsverletzungen, Vertreibungen, Verfolgungen, Folterungen, Sklaverei und Mord seit Beginn der Geschichtsschreibung in seltener Lückenlosigkeit und Ausführlichkeit dargelegt.
 
1973 erschien erstmals die Biographie der dunklen Seite der Menschheitsgeschichte. Nun ist das über 700 Seiten umfassende Werk im area verlag neu erschienen, ergänzt um ein weiteres Kapitel der jüngsten Schrecken seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dollinger widmet sich der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus. Dabei beschreibt er allerdings das für die westliche Hemisphäre wohl erschütterndste Ereignis des neuen Jahrtausends nur kurz: den 11. September. Dieser steht berechtigterweise lediglich neben anderen, längst vergessenen Gräueltaten, denn bekanntlich ist das Erinnerungsvermögen der Menschen begrenzt. Uns sind die Massenmorde im Dritten Reich stets präsent, aber wer weiß schon mehr als vom Hörensagen von den Schrecken früherer Tage oder Ereignissen außerhalb unseres Kulturkreises?
 
Der Beginn der grausigen Menschheitsgeschichte siedelt Dollinger in der Antike an, genauer in Ägypten, er geht dann weiter von Kapitel zu Kapitel durchs Mittelalter, Renaissance, über Verbrechen in der Neuzeit und im 20. Jahrhundert bis ins Jahr 2004. Belegt werden die leider sehr klein gedruckten Beiträge, die für sehschwache Menschen wohl nur mit der Lupe zu erkennen sind, durch historische Quellen und Augenzeugenberichte, die in Hinblick auf die neuere Geschichte immer ausführlicher werden. Zahlreiche Reliefs, Gemälde, eindringlichen Fotografien und Zeichnungen und Abbildungen runden die Erläuterungen eindringlich ab.
 
Die ernüchternde Quintessenz des umfangreichen Bandes ist, dass die menschliche Grausamkeit nicht im geringsten abgenommen habe. Da die menschliche Natur beständigem Wandel unterworfen ist, ist es jedoch meiner Ansicht nach nicht richtig, den Kriegszustand – und diesen Eindruck erweckt der Autor – zu einem konstanten Zustand zu erheben. Sicher, es gibt kein glückliches Ende in dieser Geschichtsschreibung, jedoch verliert man angesichts der geballten Konfrontation mit dem Grauen schnell aus den Augen, dass in den behandelten Zeiträumen auch immer wieder Zeichen (zwischen-) menschlicher Größe zu finden sind. Ein Abwiegen ist zwar nicht möglich, doch ist die menschlichen Natur nur von ihrer atavistischen Seite unzureichend beschrieben.

Antje Konopka, 26.03.2007