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Rubrik: Comic

Astro City: Der Gefallene Engel

K. Busiek, B. E. Anderson
Wildstorm / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-422-4
192 Seiten
EUR 19,95

Titelbild: Astro City: Der Gefallene Engel

Astro City, das ist weit mehr als nur eine weitere fiktive Stadt in einer weiteren Welt, in der Superwesen seit Jahrzehnten bekannt sind. Das liegt vor allem daran, was Kurt Busiek in den entsprechenden Comics macht: Er bringt nicht einfach nur Heldengeschichten, sondern beleuchtet, wie die Charaktere in dieser Welt leben und auf das Leben in dieser Welt reagieren. Mit einem abgeschlossenen Handlungsstrang, der im US-Original sieben Hefte umfasste, kehrt Panini nun auf Deutsch nach Astro City zurück.
 
Hauptfigur des Bandes ist Carl Donewicz, auf Grund seiner metallischen Haut besser bekannt als Steel-Jacketed Man. Nach 20 Jahren hinter Gittern kommt der ehemalige Superschurke auf Bewährung raus, und will eigentlich auch brav bleiben. Doch so einfach ist das nicht: In seinem alten Viertel, dem heruntergekommen Kiefer Square, bringt jemand die (Ex-)Schurken um. Da Carl hart im Nehmen ist, heuern die Einwohnern des Viertels ihn an, um der Sache auf den Grund zu gehen.
 
Carl ist ein Schulabbrecher, der nicht aus purem Willen zum Böse sein zum Schurkentum kam; nein, er hat bloß gehofft, dass das das Ticket raus aus der Tristesse von Kiefer Square ist. Ein armer Versager eben – nichts ungewöhnliches für Kiefer Square. Doch er findet den Willen, das Problem der Leute aus seinem Viertel, seiner Heimat, zu lösen. Das macht ihn zwar nicht so direkt zu einem Helden, oder ”Engel”, wie er sienennt. Doch er kommt ihnen immerhin näher, und bekommt am Ende vielleicht nicht was er verdient, doch immerhin seinen Frieden.
 
Was der Geschichte ihren besonderen Reiz gibt ist, dass sie aus der Sicht eben dieses etwas verträumten Verlierers erzählt wird. Das ist keine stinknormale Super-Story eines strahlenden Helden in einem blauen Strampelanzug, oder eines finsteren Fieslings mit irrem Blick. Nein, es ist die Geschichte eines bis auf seine Haut äußerst durchschnittlichen Typs, der mit dem Leben fertig werden muss. Erzählt wird sie über weite Strecken aus seiner Sicht und auf eine recht bodenständige Art. Das erlaubt es den Stellen, wo es heroischer oder schurkischer wird, stilistisch passend hervorzustehen.
 
Auch grafisch ist die Geschichte herausragend aufbereitet. Den Stil kann man wohl am Besten als Superhelden treffen Comic Noir bezeichnen. Die meisten Charakter inklusive Carl wirken normal und menschlich; das erlaubt bestimmten Super-Charakteren, schon allein durch ihre im Kontext des Comics optisch überzeichnete Darstellung hervorzustechen. Das vermittelt gekonnt den Eindruck einer Welt, in der ”Engel” im Einsatz und Schurken beim Dinger drehen immer noch klar hervorstechen, obwohl ihre bloße Existenz gar nicht so ungewöhnlich ist.
 
Mit Astro City wird das Superhelden-Genre so richtig erwachsen. ”Der Gefallene Engel” ist eine faszinierend-menschliche Geschichte eines Typen, der zwar super, aber eben doch ganz normal ist und über sich hinaus wächst. Eine besondere Empfehlung an Hasser plumper Action-Superhelden-Stories: Sie können sich hier überzeugen, dass das Genre auch anders behandelt werden kann.

Thomas Pichler, 09.07.2007