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Rubrik: Comic

Vertigo Select (3): Stardust - Der Sternwanderer

Neil Gaiman, Charles Vess
Vertigo / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-392
216 Seiten
EUR 19,95

Titelbild: Vertigo Select (3): Stardust - Der Sternwanderer

Tristan Thorn ist auf der Suche nach einem Stern. Genauer gesagt nach einer Sternschnuppe, denn er hat seiner Angebeteten Victoria versprochen, ihr diese zu bringen, wenn sie ihm dafür einen Kuss gibt und ihn heiratet. Er macht sich also auf die Suche. Dazu muss er hinter die Mauer, die die Stadt Wall umgibt. An ihrem Durchgang stehen Wachen, die ihn nicht passieren lassen wollen, doch sein Vater flüstert mit den Männern und kurz danach darf er doch passieren. Was hat sein Vater ihnen bloß gesagt? Tristan ahnt nicht, dass er Feenblut in sich hat und wie magisch das Land hinter der Mauer ist. Mit ein paar Schritten ist er in eine Welt eingetaucht, die sich von der menschlichen durch ihre Magie und ihre Fabelwesen unterschieden. Die Leute in Wall wissen, welche Gefahren mit einer Reise dorthin verbunden sind, und haben deshalb diese Mauer errichtet. Nur einmal alle neun Jahre findet auf der Wiese ein großer Markt statt, auf dem sich Menschen und magische Wesen begegnen.
 
Doch als Tristan sich an diesem Tag auf die Reise macht, ist alles leer und er befindet sich schnell in einem dichten Wald. Ihm begegnet ein seltsames und stark behaartes Männlein, dass im seine Hilfe anbietet. Ohne dessen Unterstützung wäre der Junge sicher schnell in Gefahr gewesen, aber seine Begleitung leistet ihm unschätzbare Dienste. Der Mann gibt ihm sogar eine magische Kerze, die ihn in kürzester Zeit zu der sehr weit entfernten Sternschnuppe bringt und Tristan muss mit Staunen feststellen, dass es sich bei dieser um eine junge Frau handelt! Er nimmt sie mit, um sie wie versprochen seiner Liebsten zu bringen. Doch Tristan ist nicht der Einzige, der die Sternschnuppe haben möchte. Mörderische Prinzen und eine verschlagene Hexen sind ihr auf den Fersen. Und so erleben die zwei so verschiedenen jungen Leute gemeinsam zahlreiche Abenteuer.
 
Zum Anlass der Kinoverfilmung ist ”Der Sternwanderer” von Neil Gaiman als illustrierte Ausgabe bei Panini erschienen. Bei diesem Verlag mag man zuerst an einem Comic denken, aber hier handelt es sich um die ungekürzte Roman-Ausgabe, die zusammen mit zahlreichen Zeichnungen von Charles Vess ein märchenhaftes Gesamtkunstwerk bildet.
 
”Der Sternwanderer” ist ein eher untypischer Roman für Neil Gaiman. Wenn man sich an seine Sandman-Comics oder den Bestseller ”Niemalsland” erinnert, weiß man, dass seine Welten meist ganz eigene fantastische und skurrile Elemente enthalten. Hier dagegen erzählt er ein echtes Märchen. Natürlich gibt es zahlreiche Wesen, die in ihrer Art sehr typisch für Neil Gaiman sind, aber bekannte Figuren wie Hexen, Einhörner und Waldgnome bilden ein solides Grundgerüst. Der Schreibstil dieses Buches ist dem der alten Märchen, wie wir sie von den Gebrüdern Grimm kennen, angelehnt. Allerdings gibt es immer wieder kleine Andeutungen oder Begebenheiten, die es als modernes Werk entlarven. So ist ein erstaunliches Buch entstanden, dass mit viel Witz, Fantasie und einem schier unerschöpflichen Ideenreichtum zu etwas ganz Besonderem geworden ist.
 
Die Illustrationen von Charles Vess lassen den ”Sternwanderer” auch optisch zu einem Vergnügen werden. Auf nahezu jeder Seite findet sich eins der liebevoll gestalteten Bilder.

Bine Endruteit, 16.07.2007