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Rubrik: Comic

Die Saga vom Dunkelelf (4): Der gesprungene Kristall

R.A. Salvatore, Andrew Dabb, Val Semeiks
Panini Comics
ISBN 978-3-86607-350-0
144 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Die Saga vom Dunkelelf (4): Der gesprungene Kristall

Drizzt Do´Urden hat sich mit seinem Leben als einsamer Wächter in einem Außenposten in den Höhen rund um das Eiswindtal abgefunden und widmet sich mit stiller Hingebung seiner Tätigkeit. Doch bald merkt er, dass sich etwas zusammenbraut. Seine Drow-Sinne lassen ihn nicht im Stich und gemeinsam mit seinem magischen Panther Guenhwyvar gelingt es ihm, die Feinde der Bewohner des Eiswindtals ausfindig zu machen und die Bewohner von Zehn Städte noch rechtzeitig zu warnen. Die folgende Schlacht gegen die vereinigten Barbarenstämme fordert einen hohen Tribut auf beiden Seiten, doch am Ende müssen sich die Barbaren zurückziehen. Einzig der junge Barbar Wulfgar überlebt verwundet und dient fortan als Sklave bei Bruenor, der sich seiner annimmt und ihm das Schmiedehandwerk beibringt. Die Jahre vergehen und Wulfgar erhält nach fünf Jahren und einem Tag die Freiheit zurück. Doch sein Glück ist nur von kurzer Dauer, denn der Magie-Unbegabte Akar Kessell hat mit Hilfe eines beseelten Kristalls ein Heer von Goblins, Trollen und Riesen um sich gescharrt um die Zehn Städte zu überrennen ...
 
Die Handlung ist schnell umrissen, denn für den Comic wurde der Inhalt des gleichnamigen Romans sehr stringent gekürzt. Eine grundlegende Charakterentwicklung findet nicht mehr statt, statt dessen stehen die in den ersten drei Comics bereits eingeführten Protagonisten und ihr Handeln im Mittelpunkt. Wie für klassische Sword & Sorcery Kost üblich, sind Gut und Böse klar voneinander abgegrenzt, Frauen spielen eine untergeordnete Rolle und der nächste Kampf lässt nie lange auf sich warten ...
 
Um die Handlung zu verstehen, ist es nicht zwingend notwendig die Romane oder die anderen Comics zu kennen, mit diesem Vorwissen lässt sich die Handlung jedoch bedeutend besser erfassen.
 
Die Zeichnungen sind gelungen, jedoch schwankt die Qualität gelegentlich. Fans der ersten drei Drizzt-Comics werden mit einem frappierenden Wechsel des Zeichnerteams konfrontiert. Die Charaktere und ihre Proportionen wurden gut herausgearbeitet, so dass man mühelos einen Zwerg von einem bösartigen Troll unterscheiden kann. Bei der Landschaft wurde allerdings nachlässig gearbeitet und nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben. Strichführung und Tusche erfreuen das Auge und speziell der Einsatz der Farben kann überzeugen. Der sparsame Einsatz von knalligen Farben und die kantigen Zeichnungen passen sehr zur erwachsenen Atmosphäre des Comics.
Schnell wird klar, dass ”Der gesprungene Kristall” kein Comic für Kinder darstellt, denn Blut fließt reichlich; aber nie unverhältnismäßig viel. Die Cover der US-Ausgaben zwischen den einzelnen Kapiteln sorgen für etwas Auflockerung und zeigen die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Zeichner. Somit stellen sie eine, die Atmosphäre verdichtende, Beigabe dar, die zusammen mit dem Glossar diese Ausgabe abrundet.
 
Mit dem vierten Band der Saga vom Dunkelelf liefern Andrew Dabb und Val Semeiks eine nur streckenweise gelungene Umsetzung der Romanvorlage ab. Kenner der Vorgänger müssen aufs Neue entscheiden, ob sie der Graphic-Novel treu bleiben wollen oder ob sie der geänderte Stil abschreckt. Neueinsteigern wird zwar nicht die dichte Atmosphäre der Romane geboten, ein Blick kann sich jedoch auf Grund der vielfältigen Action-Darstellungen als lohnend erweisen.

Ralf Strohbach, 23.11.2007