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Rubrik: Sachbuch

Ikonen - Faszination und Wirklichkeit

Konrad Onasch, Annemarie Schnieper
Bassermann
ISBN 978-3-8094-2226-6
304 Seiten
EUR 24,95

Titelbild: Ikonen - Faszination und Wirklichkeit

Die Ikonen und ihre eigentümliche Darstellungskonvention haben seit jeher die Menschen fasziniert. Wer sich einmal ausführlich mit dieser für die Ostkirche typischen Bilderwelt auseinandersetzen möchte, dem sei dieses Buch von Konrad Onasch und Annemarie Schnieper, beides anerkannte Experten auf dem Gebiet der Ikonenforschung, ans Herz gelegt.
 
Die Autoren beschreiben das ganze Spektrum der Ikonenmalerei, angefangen bei den Ursprüngen christlicher Bildkunst und den wichtigsten geschichtlichen Ausprägungen der byzantinischen und russischen Ikonenbilder. Darüberhinaus gehen sie ausführlich auf die wichtigsten Bildthemen, Darstellungs- und Gebrauchsformen, Maltechniken und Bildträgermaterialien ein.
 
Über 500 teilweise großformatige Abbildungen in ausgezeichneter Qualität und stets mit einem erläuternden Beitext versehen, gestalten die Reise durch die Geschichte und Darstellungswelt anschaulich. Doch nicht nur zum Anschauen ist das Buch gedacht, sondern mehr noch zum Lesen.
Die Autoren beschreiben ausführlich und stets interessant die Bilderwelt der Ikonen. Besonders faszinierend ist der Abschnitt über die Maltechniken und Bildträgermaterialien. Hier wird beschrieben, wie man Ikonenbildnisse angefertigt hat, wie die typischen Farben hergestellt werden und wie die Bildträger in vielen Einzelschritten vorbereitet werden.
 
Ein paar Wermutstropfen gibt es jedoch: Dass jeder neue Begriff direkt im Text erklärt und auf Fußnoten verzichtet wird, soll womöglich bei Lesern ohne akademischen Hintergrund zum besseren Verständnis beitragen, verschlechtert an manchen Stellen jedoch eher die Les- und Erfassbarkeit der Texte. Hier und da merkt man den Autoren auch die (für ”Außenstehende”) eigentümliche Schreibweise vieler Kunsthistoriker an, die sich in einer teils anachronistischen Ausdrucksweise und in verschachtelten, mit vielen Fachtermini gespickten Sätzen äußert. Hier bleibt unklar, ob ein Sachbuch für alle Interessierten, oder ein Fachbuch für (werdende) Kunsthistoriker entstehen sollte.
 
Nichtsdestotrotz bekommt man mit diesem Buch mehr als einen Einblick in die Ikonenmalerei. Man kann sich in den hochwertigen Farbabbildungen verlieren, und/oder den Erläuterungen folgen. Der großformatige Band eignet sich auch als reines Schmuckstück im Bücherregal, wenn man beim Lesen merken sollte, dass man sich hoffnungslos übernommen hat – was jedoch eine Zweckentfremdung und zudem sehr schade wäre.

Antje Konopka, 25.07.2008