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Rubrik: Sachbuch

Paula Modersohn-Becker

Charlotte Ueckert
rororo monographien
ISBN 978-3-499-50567-6
158 Seiten
Euro 8,50

Titelbild: Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker gilt heute als wichtige Vorreiterin der Moderne. Schenkte man ihrer Kunst zu Lebzeiten kaum Beachtung, vergeht gegenwärtig fast kein Jahr ohne dass eine große Ausstellung mit ihren Werken eröffnet würde. Sie wird in einem Atemzug mit Vincent Van Gogh, Cézanne und Picasso genannt. Und hat es als Frau geschafft, sich in einer von Männern dominierten Kunstbranche durchzusetzen.
Leider erlebte Paula Modersohn-Becker ihren großen Erfolg nicht mehr, denn sie starb schon mit 31 Jahren an einer Embolie. Ihre berühmten letzten Worte lauteten: ”Wie schade!”. Und dass war ihr früher Tod wirklich, denn was hätte sie noch alles erreichen können?
 
Schon wenige Jahre nach ihrem frühen Tod erschien die erste Monographie über die Ausnahmekünstlerin. In diesem Jahr hat sich Charlotte Ueckert ausführlich mit dem Leben und Werk von Modersohn-Becker beschäftigt; ihr Buch erscheint in der Sparte Monographien bei rororo und ersetzt eine bereits ältere Ausgabe von Liselotte von Reinken aus dem Jahre 1983.
 
Geboren wurde die Künstlerin in der kleinen Stadt Worspwede. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. In ihrem Vater fand sie den ersten Förderer für ihre Kunst. Auch ihr späterer Ehemann, der renommierte Künstler Otto Modersohn erkannte ihr großes Talent. Er bezahlte ihre weitere künstlerische Ausbildung und versuchte gleichzeitig, seine zahlreichen Kontakte zu Künstlern auszuspielen. Doch leider ohne Erfolg. Zu Paulas Lebzeiten fanden ihre Bilder kaum Anklang.
Hinterlassen hat sie der Nachwelt neben einer umfangreichen Sammlung von Malereien und Zeichnungen auch eine Reihe von Schriftzeugnissen. Auch ihrer Schreiblust, sie führte Tagebücher und verfasste zahlreiche Briefe, haben wir es zu verdanken, dass wir so viel über die Künstlerin wissen.
 
Für Charlotte Ueckert stellt der Schriftnachlass eine wichtige Grundlage dar, aus der sie Material schöpfen konnte.
In sechs Kapiteln geht es zunächst einmal um ”Deutschland berühmteste Malerin” und die Frage, wie man die Künstlerin heute sieht. Anschließend zeichnet die Autorin chronologisch die wichtigsten Lebensstationen der Künstlerin nach. Es folgen die ersten Lebensjahre, weiterhin die”Lehrjahre”, die ”Worpsweder und Pariser Frühlingszeiten” und ihr Leben als Ehefrau in dem Kapitel ”Ehe und Kunst”. Der abschließende Abschnitt beschäftigt sich ausführlich mit ihrer letzten Schaffensperiode.
Wo die Chronologie nicht eingehalten wird, stellt die Autorin Rückbezüge her und gibt einen Ausblick in die spätere Entwicklung der Künstlerin. So wird im Laufe des Buch das Bild der Persönlichkeit Paula nach und nach vervollständigt.
 
Neben der Biographie versäumt es die Autorin nicht, auf die Malereien der Künstlerin einzugehen. Mal mehr, mal weniger ausführlich stellt sie wichtige Werke der Malerin vor, geht auf Bildthemen, Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze ein. Manche mögen sich vielleicht mehr Bildbeispiele wünschen.
 
Alles in allem ist Ueckert eine gelungene Monographie über die Künstlerin geglückt, die umfassend und detailliert auf Leben und Werk der Künstlerin eingeht. Die auch für Laien nicht zu kompliziert formulierten Texte sind mit allerhand Wissenswertem gespickt; in Kombination mit den Bildabdrucken der Malereien, Zeichnungen und Fotografien aus ihrem Leben ermöglichen sie dem Leser einen intensiven Einblick in die Welt der Ausnahmekünstlerin.

Antje Konopka, 08.11.2007