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Rubrik: Belletristik

Die Wurmgötter

Brian Keene
Otherworld
ISBN 978-3-9502185-9-6
304 Seiten
EUR 18,95

Titelbild: Die Wurmgötter

Seit seinem düsteren Endzeit-Epos ”Das Reich der Siqqusim”, das 2003 mit dem Bram Stoker Award geadelt wurde, ist Brian Keene aus der Riege der Horrorschriftsteller nicht mehr wegzudenken. In seinem neuesten Geniestreich ”Die Wurmgötter” ist die Welt der Menschen wieder mal dem Untergang geweiht.
Denn ein nicht enden wollender Regen, kombiniert mit den stärksten Stürmen, lässt die menschliche Zivilisation und ihre Städte binnen eines Monats in den Fluten versinken. Wem es gelingt sich zu retten, dem droht eine neue Gefahr. Aus den Tiefen der Erde und des Wassers gelangen seit Urzeiten verborgene Wesen an die Oberfläche, die nun die Herrschaft über die Erde wiedererlangen bzw. für sich beanspruchen wollen.
 
In einem höher gelegenen Teil West Virginias, den die Fluten noch nicht verschlungen haben, versucht Teddy Garnett, ein Mann gesetzten Alters, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Die scheinbare Idylle wird jäh getrübt, als der Regen die ersten Würmer an die Oberfläche treibt. Zu allem Überfluss versinken die Häuser der spärlichen Nachbarschaft im Erdboden. Auch Teddys bestem Freund Carl ereilt dieses Schicksal und er flüchtet sich zu ihm. Doch sind sie dort sicher vor der drohenden Gefahr? Und welche Wesen treibt die Flut noch ans schummrige Tageslicht?
 
Keene ist der Autor, dessen Vorstellungskraft fast unbegrenzt scheint. Ihm ist es gelungen, eine Welt unter Wasser zu erschaffen, die gefährlicher und düsterer nicht sein könnte.
Sie wird beherrscht von Gewalt und Krankheiten. Die wenigen Überlebenden müssen sich ständig neuen, fast unüberwindbaren Gefahren stellen, die sie an den Rand ihrer Fähigkeiten
bringen. Dazu gehört Ted, der sich trotz seiner Altersgebrechen der drohenden Gefahr aus dem Erdreich stellen, und Kevin, der den Kampf gegen ein unheilvolles Wesen aus den Tiefen des Meeres aufnehmen muss.
Neben der exzellenten Beschreibung der Endzeitwelt, stehen die Hauptfiguren im Vordergrund, die bei Keene meist Menschen vom Rande des Gesellschaft verkörpern, wie der alte, gebrechliche Mann oder Taz, ein ehemaliges Bandenmitglied. Der Autor lässt uns an ihrer Gedankenwelt teilhaben und an ihren Ängste und Hoffnungen mitfühlen.
Leider fehlt manchmal und besonders im ersten Teil die Beklemmung und Spannung, die Keene besonders in seinem Werk ”Das Reich der Siqqusim” zu erzeugen wusste. Trotzdem ist es auch bei diesem Buch schwer, es aus der Hand zu legen, denn es überzeugt auf anderen Gebieten.
Bis zum Schluss lässt uns der Autor auch über die Ursache der Fluten und darin verborgenen Ungeheuer im Unklaren. Ein Hinweis ist das Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft, das in Keenes Roman Erwähnung findet.
 
So ist dem Ausnahmeschriftsteller mit ”Die Wurmgötter” auf dem Gebiet Horror wieder mal ein Werk gelungen, dass in punkto Spannung vielleicht nicht ganz an seinen ersten Erfolg heranreicht, aber man sollte es sich als Genre-Liebhaber trotzdem auf keinen Fall entgehen lassen.

Antje Konopka, 26.11.2007