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Rubrik: Comic

Annihilation (3)

Simon Furman, Keith Giffen, Jorge Lucas, Renato Arlem
Marvel / Panini Comics
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Annihilation (3)

Annihilation, der Schlachtzug des Annihilus geht weiter. In den USA hat es diese Miniserien-Crossover-Mixtur inzwischen ja zu einem gewissen Kultstatus und einer Fortsetzung gebracht. Auch wenn die ersten beiden Sammelbände von Marvel Deutschland nicht vollkommen zu überzeugen wussten, findet Annihilation im vorliegenden Band tatsächlich langsam einen eigenen Stil – oder zumindest eine gelungene Mixtur aus unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.
Kurz zusammengefasst ist Ausgabe 3 also eindeutig der bisher gelungenste Band der Serie.
 
Die schwach gestartete Mini-Serie zum Silver Surfer aus Band 2 wird hier mit den beiden US-Heften 3 und 4 zum Abschluss gebracht – und gewinnt deutlich an Esprit.
Außerdem findet sich die komplette vierteilige Mini-Serie zu Ronan dem Ankläger auf den 144 Seiten Platz. Sie überzeugt mit pulpiger Planeten-Action, die durchaus etwas vom Flair Mos Eisleys Cantina (und besonders ganz früher Star-Wars-Comics) hat.
 
Nach diesem kurzen Überblick können wir uns den beiden unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aber genauer nähern.
Der Silver Surfer wird von einer ganzen Schar (Ex-)Herolde von Galaktus begleitet und auch ansonsten treten noch unzählige obskure Figuren aus Marvels kosmischer Riege auf. Manche davon verdienen den Titel ”kosmisch” leider nicht wirklich. Sie wirken eher so, als wären irgendwelche Nachhilfs-Muskelmänner einfach auf das Kraftniveau des Silver Surfers gehoben worden.
Trotzdem hat sich die Story deutlich gesteigert. Das liegt nicht so sehr an der relativ leicht durchschaubaren Rezeptur, nach der Mystik und Pathos erzeugt werden sollen, sondern daran, dass es nicht mehr direkt um den milliardenfachen Tod geht. Während der Silver Surfer im Vorgänger-Band ein wenig an Glaubwürdigkeit verlor, weil seine selbstmitleidigen Dialoge – für die man ihn bei guten Autoren einfach lieben muss – mehr Selbstzweck als Geißel waren, besinnt sich die versammelte Gemeinschaft kosmischer Wesen nun auf eine weniger anspruchsvolle Mischung aus Soap und Intrigen.
Das stört es auch nicht mehr so sehr, dass der Weltraum weder leer noch erhaben wirkt.
 
Ronan, der Ankläger, nimmt einen dann für zwei Drittel des Bandes ohnehin in eine ganz andere Welt mit: in eine dreckige, überbevölkerte und hinterwäldlerische.
Es erweist sich als großer Vorteil, dass Annihilus´ Horden sich zuerst mal Zeit lassen. So hat der Leser tatsächlich Zeit Bezug zu den Charakteren und Schauplätzen aufzubauen, bevor sie in den Insektenreißwolf wandern. Das zu erwartende Grauen hält sich vornehm im Hintergrund – man weiß ja inzwischen ohnehin, dass es kommt.
Der Zeichenstil trägt sein übriges dazu bei. Hier wird – durchaus ein wenig Old School wirkend – tatsächlich so manches Staubkorn gefeatured. Eine willkommene Abgrenzung zum Larger-than-Life-Totalismus der Vorgänger-Serien also. Und ein Steppenplanet mit dicht besiedelten Städten eignet sich eben ausgezeichnet für gerade diesen Stil. Hier erzählt ein Gesicht in der Alienmenge im Hintergrund bereits mehr als es eine ganze Doppelseite bei Silver Surfer im gleichen Heft – selbst wenn die Zeichnungen handwerklich schlechter sind.
Der gefallene Kree-Held Ronan darf zudem aufs Ganze gehen, verhält sich gleich zu Beginn äußert unsensibel und wird gerade dadurch interessant. Dumpfes Anti-Heldentum im Sinne der 1990er will man ihm auf keinen Fall unterstellen. Auch dass er mit einer ganzen Horde von bunthäutigen Amazonen aus allen Ecken des Marveluniversum (unter anderem Adam Warlocks ”Assistentin” Gamora) im Clinch liegt, macht die Sache nicht uninteressanter.
Natürlich verdankt dieses Abenteuer viel der nostalgischen Komponente, doch es ist auch von der Grundkonzeption mehr als nur solide gemacht – sowohl was das Skript, als auch was die Zeichnungen betrifft.
 
Deshalb kann man den dritten Band vom Anfang des Endes der Welt – so lautet schließlich der Untertitel von Annihilation – Comiclesern nur empfehlen. Es ist egal, ob man Neueinsteiger in die Annihilation-Serie ist oder nicht. Der vorliegende Band ist eigenständig genug, um noch rechtzeitig vorm Finale in die Serie reinzukippen.

Jörg Pacher, 18.11.2007