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Rubrik: Belletristik

Axis

Robert Charles Wilson
Heyne
ISBN 978-3-453-52335-7
400 Seiten
EUR 8,95

Titelbild: Axis

Langeweile, dein Name sei ”Axis”. Im langersehnten Nachfolger von ”Spin” passiert nicht viel, und was dort passiert, zeigt sich im höchsten Maße ungerichtet — es gelingt Wilson nicht, der Handlung einen roten Faden zu verleihen, an dem sich Leser entlang hangeln könnten. Das Springen zwischen Handlungsorten und Akteuren — die überdies recht flach bleiben — trägt ebenfalls nicht dazu bei, den Roman konsistent erscheinen zu lassen.
 
Man möchte nicht ungerecht sein: Der Roman hat die undankbare Aufgabe, eine Lücke zwischen ”Spin” und dem geplanten ”Vortex” zu schließen, und bekanntlich sind gerade solche Zwischenschritte eher dazu geeignet, die Bühne vorzubereiten. Dennoch muss man sich fragen, warum sich Wilson von der bereits bestehenden Kapazität des Vorgängers entfernt und alles neu anrührt, statt in medias res zu gehen. Es keimt der böse Verdacht auf, dass hier verlagswirtschaftliche den narrativen Erwägungen vorangestellt werden, obwohl Wilson selbst äußerte, dass er keinen Wert darauf lege, den Plot zyklisch anzulegen. Vielleicht hat er sich tatsächlich nur verzettelt.
 
Was bleibt ist eine wüste Mischung aus Längen und Konfusion sowie einem Potpourri aus gängigen Genre-Versatzstücken (Sieht man einmal vom alles überlagernden Mysterium ab ...), in dem man verloren von Seite zu Seite blättert, wenn man nicht gerade kurz vorm Einschlafen ist. Da hilft es wenig, dass die Handlung im letzten Drittel etwas an Fahrt gewinnt, zumal diese nur in ein recht belangloses Finale mündet.
 
Es bleibt zu wünschen, dass der Nachfolger wieder zu den Qualitäten zurückkehrt, die ”Spin” zu einem der interessantesten SF-Romane der letzten Jahre gemacht haben.

Martin Hoyer, 30.07.2008