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Rubrik: Belletristik

Ein Chefarzt klagt an - Von der Profitgier der Klinikbetreiber

Frank König
Econ
ISBN 978-3-430-30035-3
272 Seiten
EUR 16,90

Titelbild: Ein Chefarzt klagt an - Von der Profitgier der Klinikbetreiber

Im Grunde könnte heutzutage und hierzulande jeder kranke Mensch, dank immer neuer bahnbrechender Erkenntnisse in der Forschung und in der Behandlung von Erkrankungen, die beste medizinische Versorgung erhalten. Doch leider sieht die Realität etwas anders aus. Denn aufgrund immer knapperer Budgets der Krankenhäuser erhält der Patient nicht immer unbedingt die beste, sondern oft die kostengünstigste medizinische Behandlung. Gerade die privaten Kliniken müssen kosteneffizient arbeiten, weil sie mit weniger staatlicher Förderung auszukommen haben.
 
Was es heutzutage bedeutet, Leiter einer solchen medizinischen Einrichtung zu sein, hat Dr. Frank König, ehemaliger Chefarzt einer privaten Rehabilitationsklinik, erlebt. Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie gibt in ”Ein Chefarzt klagt an – Von der Profitgier der Klinikbetreiber” seine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen auf diesem Gebiet wieder und rechnet mit gierigen Klinikbetreibern ab.
Das tut er aber nicht, indem er seinen realen Werdegang als Chefarzt beschreibt – das wäre sicherlich zu viel der Offenheit, und es gibt ja auch noch so etwas wie die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen. Nein, er beschreibt eine fiktive Einrichtung irgendwo auf dem Lande, mit erfundenen Angestellten und Vorgesetzten. Hier fließen, laut eigener Aussage, alle seine Erfahrungen als Chefarzt verschiedener Kliniken zusammen.
 
So kommt es dass der Oberarzt Dr. König einer Spezialabteilung für depressive Erkrankungen eines schönen Tages ein höchst lukratives Angebot auf dem Tisch liegen hat. Er kann sofort als Chefarzt einer privaten psychosomatischen Klinik anfangen. Der Mediziner überlegt nicht lange und tritt die vielversprechende Stelle an, die sich aber schnell zu einem Albtraum entwickelt. Das erste Problem folgt sogleich, denn die Klinik für die er arbeiten muss, ist noch gar nicht fertig. Und schon muss ein Finanzplan für die Klinik her. Dort sollen möglichst viele Patienten für wenig Geld behandelt werden. Dies nennt man ”effiziente Patientenverwertung”. Was das konkret heißt, wird der Chefarzt bald merken.
 
Wer schon immer einmal wissen wollte, was es bedeutet, Chefarzt einer privaten Klinik zu sein, dem sei dieses Buch empfohlen. Die Schilderung ist natürlich subjektiv gefärbt und nur ein einzelnes Beispiel, muss aber deswegen keinen Einzelfall bezeichnen. Leider bleibt es jedoch bei der stark romanhaften Beschreibung des Klinikalltags, was um so seltsamer ist, wie der Autor betont, dass er keinen Arztroman schreiben wollte. Zu häufig ersetzt sentimentaler Plauderton jene Vergleiche, die dem Laien zwischen Sein und Sollen verdeutlichen könnten. Bestimmte Situationen wiederholen sich zudem, was trotz des durchaus gelungenen Schreibstils ermüdend wirken kann, während eine fachliche Analyse – die zumindest ich angesichts des Themas erwartet hätte – weitgehend fehlt.

Antje Konopka, 10.12.2007