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Rubrik: Belletristik

Des Königs Dolche

Dave Duncan
Otherworld
ISBN 3-9502185-0-5
600 Seiten
EUR 26,95

Titelbild: Des Königs Dolche

Der 1933 in Schottland geborene Autor Dave Duncan ist in Deutschland kein Unbekannter mehr. Neben der Pandemia-Saga erschienen auch Romane aus der Reihe um ”Des Königs Klingen”. Junge Kämpfer aus einfachen Verhältnissen und ohne familiäre Bindungen werden dort zu Leibwächtern des Königs oder besonderer Adliger ausgebildet. Ein magisches Ritual bindet ihr Leben auf wohl und wehe eng an das ihres Schützlings.
Stirbt dieser, so sind auch sie dazu verdammt. Dementsprechend wachsam sind die jungen Kämpfer und tun alles, um ihren Herrn zu beschützen. Manche steigen dabei sogar in hohe Positionen auf.
 
Gerade um das Jahr 350 ist der Einsatz der ”Klingen” mehr als nötig, denn Unbekannte versuchen den regierenden König Ambrose mit Gift, Stahl und Magie umzubringen und haben die sogenannten ”Monsterkriege” entfesselt. Schon viele junge Männer sind in Erfüllung ihres Dienstes gestorben.
Stahlhart ist einer der jungen Anwärter, der seine Ausbildung auf Eisenburg fast abgeschlossen hat, und nun nur noch darauf wartet, ”gebunden” zu werden. Allerdings ist er anders als die meisten seiner Altersgenossen klein und drahtig, wirkt eher wie eine halbe Portion als ein ernstzunehmender Kämpfer.
Deshalb hat ihm das Schicksal auch eine andere Laufbahn bestimmt. Während seine Kameraden zu ”Klingen” werden, erhält er einen Geheimauftrag. Zusammen mit dem Anführer der ”Alten Klingen” soll er auf verdeckte Art und Weise nach den Meuchlern suchen, die das Leben des Königs bedrohen.
Stahlhart fällt es nicht schwer in seine Rolle zu schlüpfen. Mit List, Verstand und einer gehörigen Portion Glück kommt er den Verdächtigen schon bald auf die Schliche, auch wenn er erst einmal Schwierigkeiten mit einem Mann aus dem Weg gehen muss, den er leider von früher her kennt. Doch als der junge Mann Beweise sammeln will begeht er in seiner Unerfahrenheit schwerwiegende Fehler, die ihm den Kopf kosten könnten, wenn es da nicht noch eine recht eigenwillige ”Weiße Schwester” namens Smaragd gäbe, die im entscheidenden Moment durch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten eingreift.
Zusammen verbuchen die beiden einen ersten Erfolg gegen die Hexer, wenngleich sie noch nicht den Sieg davon tragen. Aber der König belohnt ihren Einsatz. Zusammen werden die beiden die ersten ”Dolche” des Königs. Und auch wenn sie ihren Ruhm zunächst nicht öffentlich zur Schau stellen können, so gehören sie von nun an doch zu den engen Getreuen des Königs, bereit sich für diesen immer wieder in gefährliche Missionen zu stürzen.
Denn noch lauern genug Feinde auf eine günstige Gelegenheit, dem Königreich zu schaden, unter ihnen der berüchtigte Assassine Silbermantel, den bisher noch niemand stellen konnte.
 
Anders als die Romane um die ”Klingen des Königs” richten sich ”Des Königs Dolche” dank der Protagonisten und der nicht ganz so brutalen Abenteuer eher an jugendliche Leser, die gerade erst die Fantasy für sich entdeckt haben. Stahlhart und Saphir werden aus der relativ behüteten Sicherheit ihrer Ausbildung in eine harte Welt voller Intrigen und skrupelloser Feinde gestoßen, die den Untergang ihrer Weltordnung erreichen wollen, und dabei alle Mittel einsetzen, derer sie habhaft werden können. Vor allem Stahlhart bewährt sich nach ersten bitteren Erfahrungen und wächst an und in seinen Aufgaben.
Allerdings kann man das nicht als in die Tiefe gehend bezeichnen. Die jungen Helden sind wie ihre Gegenspieler eher schlicht gestrickt und überraschen selten — genau so wie die relativ geradlinige Handlung.
Wer aber Spaß an purem, spannend erzähltem Abenteuer hat, wird von den drei in einem Band zusammengefassten Romanen nicht enttäuscht werden. Sie bieten durchaus kurzweilige Lesestunden.
 
Der Otherworld-Verlag hat sich sehr viel Mühe mit der Gestaltung des ersten Fantasy-Romanes gegeben. Das Titelbild und die drei Innenillustrationen von Jan Balasz passen gut zur Stimmung der Romane, der Satz ist sauber, die Bindung aufwendig.
Durch die Herausgabe als Hardcover bietet sich ”Des Königs Dolche” als schönes Geschenk für diejenigen Leser an, die pures Abenteuer ohne bitteren Nachgeschmack mögen.

Christel Scheja, 01.10.2006