Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Comic

Captain America (1)

Ed Brubaker, Steve Epting
Panini Comics
124 Seiten
EUR 14,95

Titelbild: Captain America (1)

Neu und ab sofort in jenem Sammelband-Format, das fünf Hefte der jeweiligen US-Serie in einem Band vereint, präsentiert sich hier die Superhelden-Legende Captain America. Doch das ist keineswegs die wichtigste Neuerung, denn die Handlung beginnt an einer einschneidenden Stelle in der Geschichte der amerikanischen Helden schlechthin.
 
Steve Rogers, Supersoldat aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und Captain America, ist tot. Und nicht nur das, es gibt eine Leiche in den Händen von Tony Stark, einst einfach Iron Man, nun Direktor von S.H.I.E.L.D.. Diese Nachwirkung des Civil War im Marvel-Universum muss „Agent 13“ Sharon Carter, einst Steves Geliebte, erst verkraften. Und das ist nicht leicht, denn sie wird von Dr. Faustus beeinflusst und hat eine sehr konkrete Vorstellung von ihrer Rolle im Tod einer Legende.
 
Für den Doktor, seinen derzeitigen Boss Red Skull, dessen Tochter Sin und ihre Handlanger ist der Tod von Captain America natürlich ein Erfolg. Dem wollen sie weitere Folgen lassen, in Operationen gegen S.H.I.E.L.D. – bis hin zur Befreiung von Deadshot, dem einzigen Verdächtigen im Mord an Steve Rogers. Auf Seiten der Helden des Marvel-Universums müssen derweil neben Sharon natürlich auch andere mit der neuen Situation umgehen. Ob der untergetauchte Nick Fury, „Falcon“ Sam Wilson, der nunmehr Sharons engster Vertrauter ist, oder die aktuelle Black Widow, die von Tony Stark unter anderem damit beauftragt wird, Captain Americas Schild zu transportieren.
 
Dieser wird von einem Mann gestohlen, für den Steve Rogers Tod eine besondere Katastrophe ist. „Bucky“ Barnes, einst Captain Americas Sidekick, über Jahre eingefroren, als Wintersoldat manipulierter Sowjet-Agent, bringt den Schild an sich und sinnt auf Rache – sowohl am Red Skull als auch an Tony Stark, den er für Steve Rogers Tod mitverantwortlich macht. Stark wiederum bekommt ein Schriftstück zugestellt: den letzten Willen des gefallenen Helden. So steuern sie alle auf teils unerwartete Konfrontationen zu.
 
Okay, zugegeben, irgendwie ist der Anfang einer neuen Ära ein recht logischer Zeitpunkt für den Umstieg auf das neue Format und eine neue Serien-Nummer-Eins. Ganz glücklich ist der Zeitpunkt trotzdem nicht, denn eines ist ganz klar: Ein wirklich guter Punkt für Neueinsteiger ist das nicht, denn der Titelheld, der Mann in Rot, Weiß und Blau, ist tot. Und wie es dazu und anderen Aspekten der Story kam, wird in Rückblenden angedeutet, doch ob das für einen unbedarften Leser ohne Kenntnis der Civil-War-Storyline gänzlich durchsichtig wird, ist doch mehr als zweifelhaft.
 
Erzählerisch ist dem Band dennoch nicht wirklich etwas vorzuwerfen – die wichtigen Spieler im Kampf um die Zukunft der Legende werden eingeführt, es kommt zu ersten Konfrontationen und auch zu einem mächtigen Cliffhanger am Ende des Bandes. Und in der Original-Serie waren die Heftnummer 26 — 30 auch ein deutlicher Hinweis, dass ein Quereinstieg vielleicht nicht das Optimum ist. Der Band ist einfach eher etwas für Marvel-Kenner, die auch mit den letztendlich nicht ganz so großen Namen auf der aktiven Helden-Seite etwas anfangen und neben Civil-War-Erfahrung vielleicht auch ein wenig Überblick über die Geschichte des Wintersoldaten haben. Für sie wird hier an das wohl wichtigste lose Ende des Mega-Crossovers angeknüpft – die Frage, wie es denn nach dem Tod des Mannes Steve Rogers mit der Legende Captain America weitergehen soll. Noch wird die definitive Antwort darauf nicht gegeben, doch eines macht der Band klar: Bucky Barnes wird eine Rolle in dieser Zukunft spielen. Eine Warnung allerdings: Beste Vierfarb-Superhelden-Action mit strahlenden Helden und dergleichen gibt es hier definitiv nicht. Das wäre aber angesichts des Hintergrundes auch schwerlich angebracht!
 
Optisch passt der Band gut zur eher düsteren Grundstimmung des Inhalts. Ob das nun eine verzweifelte Sharon Carter, ein wütender Wintersoldat oder ein doch schwer an der Bürde, die er sich aufgehalst hat, tragender Tony Stark ist – dass hier keiner Grund zum feiern hat, wird auch optisch klar. Den haben diesmal eher die Schurken und auch das ist zu sehen – vor allem bei Sin, die optisch perfekt als eher irre Rothaarige verkauft wird. Beeindruckend für mich ist auch, dass mir im ganzen Band eine Panel am meisten das Konzept des strahlenden Superheldentums suggeriert – und zwar eine, in deren Zentrum letztendlich ein Symbol Captain Americas steht.
 
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Nummer Eins am Cover alleine keinen guten Einstieg für neue Leser ergibt. Dieser Band verlangt doch ein klein wenig Hintergrundwissen, um ihn zu genießen, und ist damit definitiv eher für länger gediente Marvel-Kenner. Und auch da wendet er sich nicht unbedingt an die Action-Fans, sondern an Leser, die auch etwas nüchternere, schwerere Kost mögen. Ihnen wird aber entsprechend aufgetischt – der Kampf um die Zukunft der Legende Captain Americas nimmt einen starken Anfang.

Thomas Pichler, 05.05.2008