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Rubrik: Belletristik

Herbst: Beginn

David Moody
Otherworld
ISBN 978-3-9502185-7-2
312 Seiten
EUR 9,95

Titelbild: Herbst: Beginn

Was mit einem scheinbar harmlosen Husten oder Röcheln beginnt, endet in einer Katastrophe. Ein rätselhafter Virus löscht binnen 24 Stunden Milliarden von Menschleben aus. Plötzlich türmen sich Leichen auf den Straßen, in den Wohnungen und öffentlichen Gebäuden.
 
Dies ist der Auftakt für einen ganz und gar ungewöhnlichen Herbstbeginn vom britischen Autor David Moody. Bereits 2001 war der Roman in Großbritannien, unter anderem auch als kostenlose Online-Version veröffentlicht worden und wurde dort auf Anhieb ein Riesenerfolg. Seither kamen vier Nachfolgeromane heraus; nun erscheint ”Herbst: Beginn” in deutscher Sprache.
 
An einem Dienstag im September findet sich gegen Abend eine kleine Gruppe Überlebender in einem alten Gemeindezentrum in Northwich ein. Unter ihnen ist auch Carl Henshawe, der seine Frau und seine kleine Tochter verloren hat, Michael Collins, der einen Vortrag vor einer Schulklasse gehalten hatte, als es passierte, und Emma Mitchell, eine Medizinstudentin, die wegen einer Krankheit nicht zur Vorlesung gegangen war. Es sind 24 Menschen, wobei jeder einzelne seine ganz persönliche Tragödie erlebt hat, denn Eltern, Kinder und Verwandte sind tot. Das normale Leben ist zu Ende. In dem Schock redet fast niemand ein Wort, Stille macht sich breit. Zunächst einmal. Denn schon kurze Zeit später wandeln die ersten Leichen auf den Straßen.
Um der herannahenden Gefahr zu entgehen, beschließen Carl, Michael und Emma die Sicherheit der großen Gruppe zu verlassen, um sich eine bessere Zuflucht zu suchen. Ein versteckter Waldweg führt sie schließlich zu einem alten abgelegenen Bauernhaus. Es scheint der sicherste Ort der Welt zu sein. Doch ist er es wirklich?
 
Was sich bis hierhin wie der x-te Horrorroman darstellt, nimmt schnell eine andere Richtung: Wie fühlt man sich, wenn alle Menschen, die man liebte, die man kannte, so gut wie alle in seiner Umgebung, tot sind? Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn Menschen ganz plötzlich vor seinen Augen sterben? Und was ist jetzt zu tun? Mit solchen Fragen setzt sich David Moody auseinander. Treffend beschreibt er die Gedanken und Gefühle der Figuren. Wenn er beispielsweise die Empfindungen von Carl beschreibt, wie er seine Frau und Tochter tot zu Hause findet oder Michael, der eine ganze Gruppe Jugendlicher vor seinen Augen sterben sieht.
Und so eine Situation stellt neue Anforderungen an die Menschen und im Zuge der Katastrophe verändern sich die Charaktere. Sie verzweifeln oder werden stärker. Man merkt wie Carl nicht mit dem Tod seiner geliebten Familie fertig wird und langsam verzweifelt. Und Michael, der einstige Einzelgänger, der nie wirklich an jemanden gedacht hat, wird plötzlich zur wichtigen Stütze für die Gruppe.
Auch gelingt es Moody eine zunehmend beklemmendere Atmosphäre zu gestalten, denn die Untoten werden von Tag zu Tag gefährlicher und aggressiver und bald gibt es kein Entkommen mehr. Die allgegenwärtige Gefahr lässt den Leser die Geschichte von Seite zu Seite verfolgen.
 
Nach Briane Keene (”Das Reich der Siqqusim”), hat der Otherworld Verlag mit David Moody ein weiteres großes Talent den deutschsprachigen Leser zugänglich gemacht. Die Geschichte von Untoten und Viren, welche die Menschheit auslöschen ist zwar nicht neu, aber was Moody daraus macht, ist eine Überraschung. Er versteht es, eine beklemmende Stimmung zu gestalten, und die Gedanken und Gefühle lebensecht beschriebener Charaktere in den Vordergrund zu rücken.

Antje Konopka, 29.10.2007