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Rubrik: Belletristik

Hellgate London (1): Exodus

Mel Odom
Panini Comics
ISBN 978-3-8332-1646-6
512 Seiten
EUR 12,00

Titelbild: Hellgate London (1): Exodus

Simon Cross weilt in Afrika, als er erfährt, dass sich in London ein Höllentor geöffnet und die Invasion durch die außerweltlichen Kreaturen begonnen hat. Damit ist das eingetreten, an dass er nie hatte glauben wollen — und dabei war es doch dieser Unglaube, der ihn einst seinem Vater und dem Templerorden den Rücken kehren ließ. Angesichts dieser Umstände kann er nicht anders, als in seine alte Heimat zurückzukehren und das zu tun, wofür er von klein auf ausgebildet wurde.
 
Dieser erste Roman einer Roman-Trilogie zum erfolgreichen Computerspiel weist alle Qualitäten eines Romans zum Spiel auf: Er ist spannend, kurzweilig, wälzt genußvoll sämtliche Klischees, die das Thema hergibt und ist dabei so einfach gestrickt, dass selbst ein Plattwurm mit der Lektüre nicht überfordert wäre.
Das Ergebnis ist, je nach Sichtweise, feinster Pulp oder Verschwendung von Papier — eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.
 
Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, darf beruhigt sein, denn Mel Odom ist es gelungen, trotz des eingängigen Stils eine in sich konsistente Geschichte einzuleiten.
Diverse Implausibilitäten sind dabei eher genretypisch — niemand wird erklären können, warum die Dämonen zwar durch herumfliegende Trümmerstücke, nicht jedoch durch gutgezielte Schüssen aus konventionellen Waffen getötet werden können. Aber irgendwie muss man es schließlich hinbiegen, dass die durchaus beachtliche Kriegsmaschinerie des Vereinigten Königsreichs (die NATO hält sich komischerweise komplett raus) keine Chance hat, während ein paar Londoner Kellerkinder in Hightech-Rüstungen mit Hieb und Stichwaffen bewehrt immerhin Teilerfolge und Phyrrussiege erringen können.
In Sachen Charakterisierung überwiegen natürlich ebenfalls Arche- und Stereotypen, aber immerhin wird den Hauptfiguren der verschiedenen Fraktionen ein größerer Schatz an — teilweise widerstreitenden — Motiven mitgegeben. Simon ist ebenso wenig der strahlende Held in glänzender Rüstung, wie sein dämonischer Widersacher der alleinige, unangreifbare Fürst der Hölle ist. Mit Warren Schimmer, einem jungen Mann, der den Weg von Herumtreiber zum Kabbalisten und schließlich zur halb dämonischen Gestalt beschreitet, wird noch eine dritte Instanz zwischen den Extremen ins Feld geschickt.
 
Fazit: Für Fans des Spiels vermutlich ein Muss, ansonsten ein Unterhaltungsroman unter vielen, der es sich gefallen lassen muss, auch in diesem Segment nur in die zweite Riege geschoben zu werden.

Martin Hoyer, 17.05.2008