Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Belletristik

Dr. Mabuse - Der Spieler

Norbert Jacques
area
ISBN 3-89996-833-6
272 Seiten
EUR 2,95

Titelbild: Dr. Mabuse - Der Spieler

Der Klassiker des deutschen Kult-Krimis ist zurück. ”Dr. Mabuse — Der Spieler” ist das erste von zwei Romanen, die Norbert Jaques geschrieben hat um den genial-verrückten, größenwahnsinnigen Verbrecherkönig Mabuse.
 
München, in der Weimarer Republik: In den Spielsalons und Hinterzimmern herrscht die Bigotterie und die Völlerei. Wer es sich leisten kann, der setzt sein Geld beim Spiel — und verliert. Nur ein Mann kann sich scheinbar immer und überall durchsetzen. Ein gewisser Dr. Mabuse, seines Zeichens Psychoanalytiker, hat ein kaum vorstellbares Glück bei sämtlichen Glücksspielen.
 
Was aber niemand weiß ist, dass Mabuse über eine gewisse hypnotische und suggestive Kraft verfügt, die ihm die Gewinne ermöglicht. Mabuse ist ein genial-verrücktes Verbrecher-Hirn, das sich sein eigenes Land finanzieren will, irgendwo in Südamerika. Und dafür braucht er Geld — viel Geld. Geld, dass er mit seinen hypnotischen Kräften, den Menschen aus der Tasche zieht. Kaum jemand erinnert sich nämlich noch an diese Spielabende.
 
Der ehrgeizige Staatsanwalt von Wenk wird auf die Umtriebe des genialen Verbrechers aufmerksam und nimmt dessen Verfolgung auf. Ein gefährlicher Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten entbrennt, das mehr als einem Menschen das Leben kostet. Und im Zentrum ihres Katz-und-Maus-Spiels steht ausgerechnet eine schöne, junge Frau ...
 
Wer bei der Erwähnung des Titels dieses Romans an die phantastisch-angehauchten Spielfilme aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts denkt, der wird sicherlich erst einmal baff erstaunt sein über das, was dieses Buch bietet. Denn mit dem Mabuse eben jener Filme hat der hier auftretende kaum etwas gemein. Immerhin befindet der Leser sich am Beginn der Mabuse-Legende.
 
Was Norbert Jaques da in den frühen 20er Jahren geschrieben hat, hält unserer Gesellschaft noch heute den Spiegel vor. So ist der Roman ”Dr. Mabuse — Der Spieler” sowohl genialer Krimi wie auch eine Gesellschaftsstudie, die nie so wirklich ”alt” geworden ist, sondern sich gerade durch die heutige Zeit wieder sehr neu und unverbraucht zeigt.
 
Der Autor schrieb teils mit sehr spitzer Feder und beobachtete seine Umwelt anscheinend sehr genau. Die Reaktionen der einfachen Bevölkerung, der Menschen, die nichts von Mabuses größenwahnsinnigen Plänen wissen, sind so schauerlich real, dass man sich unwillkürlich fragt, wie weit wir uns in den fast neunzig Jahren seit der Entstehung dieses Werkes weiter entwickelt haben. Die Frage könnte sogar noch erweitert werden.
 
Jacques spielt mit der Sensationslust und der Geldgier seiner Figuren und lässt einen nach dem anderem an seinen Schwächen zerbrechen. Selbst Mabuse, der geniale Verbrecher mit den hochtrabenden Plänen, ist davon nicht ausgeschlossen. Von Wenk schafft es so gerade noch, wenigstens am Leben zu bleiben, ist dieses Überleben doch aber sehr desillusioniert. Seine große, wahre und reine Liebe war die ganze Zeit über von Mabuse beeinflusst. Sicher, sie retten von Wenk das Leben. Dennoch aber bleibt ein bitterer Geschmack zurück, auch für ihn.
 
Ein interessantes Stück Kriminalliteratur, das für einen mehr als günstigen Preis dem interessierten Leser wieder zugänglich gemacht wird. Für Mabuse-Fans ein Muss!

Ramona Schroller, 27.08.2007