Listen to the Universe ...

Rubrik: Belletristik

Der Osiris-Faktor

Gunter Arentzen
Romantruhe
ISBN 978-3-9374-35-81-7
200 Seiten
EUR 13,95

Titelbild: Der Osiris-Faktor

Um es mit den (leicht abgewandelten) Worten von Ol´ Ranicki zu sagen: ”Iszt dtenn dasz üperrrhauptt wisszenschaftlicke Fiktzionnn?”
 
Schön, es spielt laut Ansage in Zukunft, es kommt irgendwann mal ´ne ”obligatorische” Laserpistole drin vor und irgendwann zum Schluss düst die Heldin, ihres Zeichens Auftraskillerin im Dienste der Erdregierung, in einem Raumschiff zu ´nem anderen Planeten, um dort die bösen Wichte eines Konzerns zu züchtigen, obwohl sie aufgrund ihrer schweren Kindheit (TM) ohnehin zu einem Mangel an Empathie und einer zynischen Grundstimmung neigt.
 
Diese etwas grobe Beschreibung hört sich nicht nur an, als hätte man ”Leon — Der Profi” auf Biegen und Brechen in die Zukunft verlagert und mit (beabsichtigter?) Anlehnung an Yasuomi Umetsu weiblich besetzt und sexuell aufgeladen – es liest sich auch so. Der zentrale Plot funktioniert nicht nur gänzlich ohne die SF-Elemente, er würde ohne vermutlich sogar besser funktionieren, da selbige arg aufgesetzt wirken. Der SF-Aspekt ist bestenfalls irgendwo auf dem Hans-Dominik-Level stehen geblieben und meines Erachtens entbehrlich.
 
Und bevor diese Rezension irrtümlich als Verriss verstanden wird: Der Thriller-Aspekt funktioniert dafür bestens. Der Roman ist spannend, kurzweilig und hat ein paar nette Ideen; dazu kommt das Ganze handwerklich einwandfrei daher und erzeugt durch den trockenen Stil in Verbindung mit der Ich-Erzählerin ein gewisses Film-Noir-Gefühl, welches schon allein genügt, um den Roman formal vom Durchschnitt abzuheben.
 
Viel Aufmerksamkeit und fast das komplette erste Drittel des Romans widmet Arentzen dem Werdegang der Protagonistin, was zwar bald ein wenig zuviel ist, aber immerhin ein desolates Bild der Zukunft zeichnet, welche von den schlimmsten Auswüchsen unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt ist. Zwar wirkt das Ganze durch die Ballung an Schicksalsschlägen stellenweise schon arg überzeichnet, was sich aber gut in den leicht ”pulpigen” Ansatz einfügt.
 
Was bleibt, ist ein unterdurchschnittlicher SF-Roman, der als Thriller jedoch zum besseren Durchschnitt leichter Unterhaltungsliteratur gehört. Bedenkt man, dass der Autor bisher eher im Horror- und im Abenteuer-Genre zu Hause war, ist dieser erste Versuch in einem neuen Genre durchaus beachtlich und — sofern man nicht allzu zart besaitet ist — auch durchaus lesenswert.

Martin Hoyer, 28.07.2008