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Rubrik: Comic

Spider-Man und die neuen Rächer (Paperback 1): Ausbruch

B. M. Bendis, D. Finch
Marvel / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-165-0
148 Seiten
EUR 12,95

Titelbild: Spider-Man und die neuen Rächer (Paperback 1): Ausbruch

Ein Marvel-Universum ohne Rächer? Kaum vorstellbar. Und doch: Der Wahnsinn der Scarlet Witch hat genau dazu geführt. Dass das kein Dauerzustand bleiben würde, war klar. Mit der Serie ”Spider-Man und die neuen Rächer”, in Heftform im Oktober 2005 gestartet, bekam das legendäre Team ein neues Gesicht. In diesem Band ist nun der erste Handlungsbogen ”Ausbruch!” nochmals gesammelt – eine Geschichte also, die vor den Ereignissen von ”House of M” und ”Civil War” spielt.
 
Der Schurke Electro wird beauftragt, zu geeigneter Zeit einen Ausbruch aus dem S.H.I.E.L.D. Hochsicherheitsgefängnis Rykers Island zu ermöglichen. Er aber lässt gleich alle raus – schon allein zur Ablenkung.
Glücklicher Weise sind Luke Cage, Matt Murdoch (Daredevil) und Jessica Drew (Spider-Woman) gerade auf Ryker’s Island, während Spider-Man, Captain America und Tony Stark (Iron Man) schnell reagieren. Außerdem ist mit dem Sentry ein mächtiger Superheld freiwilliger Insasse der Anstalt und hilft, den Fluchtversuch einzudämmen.
 
Captain America sieht die Zeit gekommen, neue Rächer zu sammeln – nicht zuletzt, da über 40 Schurken die Flucht gelingt. Zwar sind nicht alle der teils recht extremen Individualisten bereit, Teil des Teams zu werden. Dennoch: Die Neuen Rächer formieren sich, die Jagd beginnt. Sie führt auf den Spuren von Electros eigentlichem Ziel Karl Lykos (Sauron) ins Wilde Land. Dort finden die Rächer neben einem weiterem Teammitglied auch Verrat ...
 
Die Geschichte fängt zugegebener Maßen nicht gut an – was für eine Versagertruppe genau ist S.H.I.E.L.D. eigentlich, dass ein einzelner Schurke so einen Massenausbruch aus ihrer Hochsicherheitseinrichtung ermöglichen kann? Außerdem besteht fast die Hälfte des Sammelbandes aus dem Ausbruch und dem Kampf danach – eindeutig zu ausgedehnt. Die zweite Hälfte aber legt an Tempo zu und präsentiert sich gerade für das Genre auch logisch und glaubwürdig. Dadurch ist die Story auch für Gelegenheitsleser gut nachvollziehbar.
 
Als eher unrund erweist sich der Band sprachlich. Einige Sätze stolpern über überzählige Verba, manch andere sind zwar grammatikalisch richtig, wirken aber dennoch eher befremdlich. Auch im Bereich Humor ist der Band kein Glanzlicht, zu trocken kommen manche Passagen; Spider-Man wiederum wirkt stellenweise einfach nur dümmlich statt tatsächlich gewitzt. Insgesamt lässt der Klang eine Mischung aus nur mäßig starker Vorlage und etwas steifer Übersetzung vermuten. Das Lesevergnügen jedenfalls leidet.
 
Grafisch hingegen kann der Band überzeugen. David Finch ist ein Meister seines Faches: Er setzt New York ebenso gekonnt in Szene wie das Wilde Land, und seine verunsicherte Spider-Woman überzeugt genau so wie sein wütender Wolverine. Die Farben sind generell eher auf der dunklen Seite. Für die Atmosphäre der Momentaufnahmen der einzelnen Seiten ist das auch brillant, doch die insgesamt düstere Farbstimmung für das Sammeln eines neuen Rächer-Teams wird sicher nicht jedem zusagen.
 
Insgesamt bietet der Sammelband eine solide, wenn auch nicht überragende Story. Sie ist sicher vergnüglicher für Leser, die stärker auf die brillante Optik denn das mäßige geschriebene Wort reagieren; geeignet auch zum Schnuppern für Leser, die keine großen Marvel-Kenner sind.

Ralf Strohbach, 11.10.2007