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Rubrik: Comic

Buffy the Vampire Slayer, 8. Staffel (1): Die Rückkehr der Jägerin

Joss Whedon, Georges Jeanty, Paul Lee u.a.
Panini Comics
ISBN 978-86607-477-4
132 Seiten
EUR 14,95

Titelbild: Buffy the Vampire Slayer, 8. Staffel (1): Die Rückkehr der Jägerin

Vor über fünf Jahren fiel in den USA die letzte Klappe für die finale Episode der erfolgreichen Mysteryserie ”Buffy im Bann der Dämonen”. Die siebte Staffel markierte das nicht ganz freiwillige Ende der Saga um ein einzigartiges Mädchen, dessen Leben zwischen Klausurangst in der Highschool und nächtlicher Dämonenjagd auf dem Friedhof pendelte. Viele der anfänglichen Charaktere mussten im Laufe der Serie Abschied nehmen und mit jeder Figur, die in der Versenkung bzw. dem Höllenschlund verschwand, verlor die Serie an unbekümmertem Esprit und verstrickte sich in zunehmend düster werdenden und nicht mehr nachvollziehbaren Plots. Bis zuletzt die Zuschauer ausblieben und die Serie eingestellt wurde. Dabei hatte Produzent Joss Whedon eigentlich bereits das Skript für die achte Staffel vollendet in der Schublade liegen. Lange Zeit ist es dort verstaubt und unberührt verwahrt worden, bis der stete Protest der Fangemeinde gegen die Absetzung der Serie endlich Früchte trug. Zwar hat es die Vampirjägerin nicht erneut auf den Fernsehbildschirm geschafft, aber immerhin in den Buchhandel. Seit Anfang des Jahres ist nun also für die Fortbestand des Buffy-Universums gesorgt und zwar in Form eines Comics.
 
Doch wie stellt man sich die Fortsetzung einer Serie vor, die mit dem Sieg über das Urböse geendet ist, die nicht mehr als einen Haufen Staub (und ein großes Loch) vom jahrelangen Hauptschauplatz Sunnydale übrig gelassen und statt einer auserwählten Jägerin nun hunderte unterzubringen hat?
 
Der Lösungsversuch von Joss Whedon sieht in etwa wie folgt aus: einige Zeit nach dem letzten großen Showdown mit erwähnten Konsequenzen hat sich viel verändert im Leben der Buffy Summers und ihrer Mitstreiter. Zusammen mit Xander ”Augenklappen” Harris versucht sie in einer mittelalterlichen Burg im Herzen Schottlands das Potential derart vieler Jägerinnen zu nutzen. In einer neu gegründeten Organisation erfolgt die Ausbildung zukünftiger Generationen von Dämonenkillerinnen und bereits erfahrene Kämpferinnen werden dort von der Zentrale bei ihren Einsätzen koordiniert. Dies scheint auch mehr als dringend notwendig. Denn das Böse schläft nie. Und in dieser Staffel zeigt es sich vielgesichtiger als je zuvor. Nicht mehr nur unansehnliche Dämonenfratzen prägen das Serienbild, die Bedrohungen sind viel menschlicher. Einerseits fühlen sich Regierungseinheiten von Buffys Aktivitäten bedroht und auch längst tot geglaubte, alte Bekannte haben mit der Jägerin noch eine Rechnung zu begleichen. Umso glücklicher, dass zumindest Willow, Giles und natürlich Dawn nach wie vor mit von der Partie sind und ihre Freundin nach Kräften unterstützen. Und Buffy kann gewiss jede helfende Hand gebrauchen, denn nicht nur von außen sieht sich die junge Frau Gefahren ausgesetzt, sondern auch in ihrem Inneren toben wilde Unruhen.
 
Ein vollständiges Bild der zu erwartenden Handlung will sich mit dem ersten Band indessen allerdings (noch nicht) ergeben. Joss Whedon versucht mit einzelnen Brotkrumen die Leser auf eine Fährte zu locken und den Spannungsbogen zu dehnen – vergeblich. Nach der Lektüre des Auftaktwerkes der Comicreihe ist man fast gewillt zu sagen, dass es ein Segen ist, dass dieser Plot nie das Licht des Fernsehbildschirms erblickt hat. Die Charaktere bleiben zwar weitestgehend ihrer Wesensart treu, doch die Handlung ist selbst für eine Mystery-Serie zu abstrus und setzt den negativen Trend der letzten Staffeln dramatisch fort. Von der witzigen Leichtigkeit des Originals ist wenig zu spüren und der Plot wirkt aus Teilen früherer Episoden zusammengesetzt (z.B. Militärorganisation der Regierung aus Staffel 4).
 
Hinzukommt, dass das Artwork qualitativ zu wenig an der Fernsehvorlagen orientiert ist. Die Dynamik der Serie konnte nicht in Bildern festgehalten werden. Das weit größere Manko ist jedoch die Charakterdarstellung. Zeitweise erkennt man Personen wie den Wächter Giles, der von Beginn der Serie an kontinuierlich dabei war, nur am Fakt, dass er der einzige ältere Mann mit einer Brille ist. Einer Comicfortsetzung dieser weltbekannten Serie kann und darf ein derartiges Niveau nicht genügen.
 
Fazit:
Buffy ist zurück – leider? Selbst einem langjährigen Begleiter der Serie dürfte es schwer fallen diese Fortsetzung ins Herz zu schließen. Sicherlich ist anfangs die Freude groß, endlich ein neues Abenteuer mit der frechen und harten Dämonenjägerin erleben zu können und die vielen wundervollen Charaktere endlich einmal wieder in Aktion zu sehen. Doch bereits nach den ersten Seiten ist die Freude verflogen. Weder Charaktere noch Handlung wollen sich so recht in den Rahmen der Fernsehserie einpassen und wirken lieblos konstruiert und aufgewärmt. Statt Wiedersehensfreude stellt sich eher Enttäuschung ein und ein nostalgischer Blick zurück auf die Anfangstage der Serie. Eine Kaufempfehlung hat dieser Band nicht verdient.

Steffi Borgmann, 24.04.2008