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Rubrik: Comic

Annihilation (2)

Keith Giffen, Javier Grillo-Marxuach, Renato Arlem, June Chung, Gregory Titus, Chris Sotomayor
Marvel / Panini Comics
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Annihilation (2)

Marvel Deutschland setzt die als episch angedachte ”Annihilation”-Saga in einem zweiten 148seitigen Comicband fort. Diesmal widmet man sich der halben vierteiligen Mini-Serie um den Silver Surfer und druckt vor allem die gesamte (ebenfalls vierteilige) Serie um den Super-Skrull ab. Demzufolge hat man es auch mit zwei verschiedenen Zeichner- und Autorenteams zu tun.
 
Den Anfang machen die Erlebnisse des in unseren Breiten einst als ”Silberstürmer” bekannten Helden. Der fliegt und flieht durch den von Annihilus gegeißelten Kosmos und sammelt unterwegs manche seiner ehemaligen Kollegen aus Galactus´ Heroldstruppe auf. Wohin die Reise gehen wird, vermag man nach nur 44 Seiten kaum zu sagen. Zumindest mischt auch Thanos mit.
 
Tatsächlich kann man die beiden gesammelten Silver-Surfer-Hefte im großen und ganzen als einen gescheiterten Versuch abhaken, Epik zu vermitteln. Was bleibt ist eine eher nichtssagende Aneinanderreihung von Charakteren. Der Surfer wird nicht aus sich selbst zum Handeln getrieben oder motiviert, sondern von außen dazu bewegt. Als bester Motivationsersatz kann noch ein nicht näher geklärtes Auftreten der blinden Alice Masters – man hat es wohl mit einer Vision zu tun — gelten.
 
Natürlich ist es für Autoren und Zeichner schwer, einen einsamen Helden darzustellen, ohne ihn in hohle Selbstgespräche verfallen zulassen, aber erstens war das jenes Element, dass dem Silver Surfer in seiner klassischen Serie den einzigartigen Charakter gegeben hat. Er war eben ein melancholischer und selbstmitleidiger Phrasendrescher. Zweitens gilt er ja deshalb als Held, weil er aus sich selbst über sich selbst hinaus wachsen konnte.
 
Der Versuch, der Interpretation des Surfers als selbstmitleidigen Genozidverursacher einen Sinn zu geben, ist zwar interessant, scheitert hier aber, weil zwei nicht mehr in Zahlen fassbare Massenmorde gegeneinander abgewogen werden. Warum Annihilus´ Vernichtungsfeldzug schlimmer sein soll als jener von Galactus wird nicht schlüssig erklärt, sondern einfach in den Raum gestellt. Hier wurde eine Chance vertan.
Die Zeichnungen lassen im Gegensatz dazu keine großen Mängel erkennen, auch wenn die Weite des Kosmos nie eingefangen wird.
 
Der umfangreichere Geschichte des Super-Skrulls weiß da schon eher zu fesseln. Das liegt vor allem am interessanten Ansatz: die Subjektivität des Heldenstatus´ wird dargestellt. Der Super-Skrull wird als Held seines Volkes, als Soldat, aus der Sicht eines jungen Skrulls beleuchtet. Das Kind erkennt freilich bald, dass der Super-Skrull ein skrupelloser Schurke ist, der vor keiner Gewalttat zurückschreckt. Schwarz und Weiß bleiben dennoch in der Schwebe und so erwartet man das Ende mit Spannung. Denn welche Moral vertreten werden soll, bleibt bis zum Ende offen.
 
Der Zeichenstil in der Skrull-Saga ist sehr cartoon-artig geraten. Das wirkt beinahe so, als ob einer der heute stilgebenden italienischen Micky-Maus-Zeichner ins Marvel-Universum emigriert wäre. Da aber bis auf den äußerst dehnbaren Mr. Fantastic keine Menschen, sondern nur Außerirdische auftauchen, fällt dies nicht so extrem auf.
 
Wie der Vorgängerband bietet die Nr. 2 gemischte Qualität. Ob die Saga noch interessant wird, lässt sich schwer abschätzen. Zumindest das Schicksal des Super-Skrulls sollte aber für eine angenehme Lesestunde sorgen.
Zumindest kontinuitätstreue Leser und Nostalgiker können sich außerdem über ein Wiedersehen mit den obskuren Herolden von Galactus freuen.

Jörg Pacher, 20.07.2007