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Rubrik: Sachbuch

Crash-Kurs Intellektuelle Selbstverteidigung

Normand Baillargeon
Riemann
ISBN 978-3-570-50093-4
384 Seiten
EUR 18,00

Titelbild: Crash-Kurs Intellektuelle Selbstverteidigung

Kann man kritisches Denken erlernen? Man kann, meint Normand Baillargeon, und sein Buch ”Crash-Kurs Intellektuelle Selbstverteidigung” soll den Lesern die geeigneten Werkzeuge in die Hand geben, um die tägliche Manipulation durch Worte und Bilder zu durchschauen und Dinge zu hinterfragen, um sich (s)eine eigene Meinung zu bilden.
 
Die Sprache einmal mit anderen Augen betrachten, das lehrt uns das erste Kapitel. Mit Worten kann man loben, mahnen, kritisieren oder manipulieren. So betrachtet Baillargeon das Wort und seinen bewussten Gebrauch, um ein Gefühl für seine gewollt trügerische Verwendung zu bekommen. Auch die Logik ist Thema, als Kunst des Argumentierens, und die Rhetorik, als Werkzeug gedanklicher Manipulation.
Aber auch der manchmal unglückliche Umgang mit Zahlen bedarf genauerer Betrachtung. Dazu gehört auch Wahrscheinlichkeit und Statistik, nicht gerade die Lieblingsthemen vieler Leute, meine Wenigkeit eingeschlossen. Aber keine Angst, liebe Mathophobiker, der Autor versucht die Zahlenblindheit mit jeder Menge Humor und in möglichst einfachen Worten zu heilen.
 
Nach dem ausführlichen Exkurs zu den Instrumenten der intellektuellen Selbstverteidigung widmet sich der zweite Teil des Buches mit den ”Begründungen von Überzeugungen”, wie die persönliche Erfahrung, die Wissenschaft und die Medien. Erläutert wird, wie mit Hilfe oben genannter Instrumente die Glaubwürdigkeit einer Aussage überprüft werden kann. Besonders aufschlussreich und interessant dürfte der Abschnitt über die Medien sein, denn mit der Bilderflut haben wir jeden Tag zu tun, und viele Leute haben nie gelernt, kritisch mit ihr umzugehen.
 
In fünf Kapiteln gelingt es dem Autor, seinen Lesern die intellektuelle Selbstverteidigung nahe zu bringen. Selbst so trocken klingende Kapitel über ”Statistik” oder ”Formale Paralogismen” kann Baillargeon durch seine lebendige Sprache und einer guten Prise Humor noch interessant gestalten. Zahlreiche Beispiele aus Geschichte und Politik, viele Anekdoten und nicht zuletzt Karikaturen und Grafiken beleben das Geschriebene zusätzlich.
 
Aber – und das dürfte hoffentlich auch im Sinne des Autors sein – auch dieses Buch sollte kritisch betrachtet werden. Von hoffnungsloser Selbstüberschätzung im Durchschauen sprachlicher diverser Winkelzüge bis hin zu handfester Paranoia sind ansonsten diverse Risiken und Nebenwirkungen nicht auszuschließen.

Antje Konopka, 02.08.2008