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Rubrik: Belletristik

EarthCore

Scott Sigler
Otherworld
ISBN 978-3-902607-04-1
496 Seiten, gebundene Ausgabe
EUR 21,95

Titelbild: EarthCore

Der titelgebende Konzern EarthCore erfährt durch einen erfahrenen Prospektor von dem weltweit womöglich größten Vorkommen an Platin in bisher unerreichter Tiefe, und schickt sich unter strenger Geheimhaltung und größtem personellem und technischen Einsatz an, dieses Vorkommen zu erschließen. Doch in den Tiefen der Erde versteckt sich etwas, dass nicht zimperlich mit jenen ist, die es aufspüren ...
 
Was sich liest wie der ideale Ansatz für einen Pageturner, wird leider kein solcher. Gerade im ersten Drittel gibt es deutliche Längen, während derer man ausreichend Zeit hat zu überlegen, aus welchen anderen Romanen und Filmen einem die jeweiligen Konstruktionen gerade massiv bekannt vorkommen. Schon allein die Protagonisten wirken wie ein Bestellkatalog für Stereotypen, in der Klischeekiste zum halben Preis.
 
Danach kommt die Sache allmählich in Fahrt, aber auch dann gibt es noch Passagen, wo ich als Lektor massiv den Rotstift angesetzt hätte. Bitte nicht missverstehen: Es ist durchaus spannend, aber es hätte noch stringenter sein können. Einige Handlungsstränge und Personen sind absolut überflüssig für den Verlauf der Handlung, ebenso einige arg konstruierte Bezüge zu heutiger Alltags-, Szene- und Popkultur, denn den meisten Lesern dürfte es beispielsweise wurscht sein, welche Musik die Charaktere in ihrem iPod hören — besonders dann, wenn auch hier keine Relevanz für Handlung oder Chrakterisierung vorliegt. Es sei denn, jemand hängt der Auffassung an, Rockmusik wäre ein Indikator für hochgradig sadistisch veranlagte Sozio- und Psychopathen.
 
Das Finale bietet dann immerhin eine kleine Überraschung, indem das Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip in sofern abgewandelt wird, dass die designierten Überlebenden doch noch über die Klinge springen müssen und diejenigen überleben, die traditionell im letzten Moment und in heldenhafter Aufopferung ihr Leben lassen.
 
Um so überflüssiger ist dann das Nach-Finale, das nicht nur arg pubertär bis reaktionär wirkt, sondern auch arg nach ”Ich leite jetzt mal eben schnell zu einer möglichen Fortsetzung über” riecht.
 
Kurz: man merkt es dem Roman leider stark an, dass er ursprünglich häppchenweise als Podcast erscheinen ist. In kleinen Dosen funktioniert so eine Geschichte sicherlich ganz anders, als wenn man sie am Stück konsumiert. Es bleibt, trotz recht brauchbarer Unterhaltung, ein bißchen Unzufriedenheit, dass Sigler aus dem an sich vielversprechenden Modern-Pulp-Ansatz nicht mehr herausgeholt hat.

Martin Hoyer, 05.08.2008