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Rubrik: Comic

Global Frequency (1): Planet in Flammen

Warren Ellis, Garry Leach, Glenn Fabry, Steve Dillon, Roy Martinez, Jon J Muth, David Lloyd
Wildstorm / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-424-8
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Global Frequency (1): Planet in Flammen

”Global Frequency” ist der Name einer privaten Organisation mit 1001 Mitarbeitern unterschiedlichster Spezialgebiete, vernetzt über besondere Mobiltelefone und angeführt von der geheimnisvollen Miranda Zero. Die Organisation arbeitet unabhängig, zuweilen sogar in rechtlichen und ethischen Grauzonen und unterhält beste Verbindungen zu öffentlichen Stellen weltweit.
 
Das klingt wenig originell und ganz und gar nicht plausibel, ist aber in seiner Umsetzung so abgefahren, dass ein näherer Blick lohnt.
Die sechs Episoden dieses ersten von insgesamt zwei Bänden nehmen sich aus wie ein Raubzug durch sämtliche Episoden der Fernsehserien ”The Outer Limits” und ”Akte X”: Ein ehemaliger russischer Agent aus Zeiten des Kalten Krieges mit telepathischen Fähigkeiten läuft Amok, ein durchgeknallter Cyborg in einem militärischen Forschungskomplex tut selbiges, in New York findet Gedankenkontrolle durch außerirdische Invasoren mittels SETI@home statt, ein Haufen lebensmüder Internet-Sektierer verschanzt sich mit Geiseln in einem Bürogebäude, die Bewohner eines norwegisches Dorfes sind nach einer vermeintlichen Engels-Erscheinung nicht mehr sie selbst, in London sollen von Öko-Terroristen gefährlichen Krankheitserreger freigesetzt werden.
 
Es bleibt zu hoffen, dass Warren Ellis beim Anrühren dieses Pulp-Potpourris mit nicht ganz so viel Ernst bei der Sache war, mit dem sich manche dieser Episoden darstellen. Als augenzwinkernde Aufhänger für groteske Geschichten wären sie genial, andernfalls wären sie lediglich die Elaborate eines juvenilen TV-Junkies, der die Möglichkeit bekam, sie von einigen der besten Comic-Künstler unserer Zeit grafisch umsetzen zu lassen.
 
Aber dieses Urteil muss jeder für sich fällen. Ich tendiere eher zur ersten Variante, denn bereits die grundlegende Idee der ”Global Frequency” ist so herrlich absurd, dass sie unmöglich ernst gemeint sein kann. Falls ich mich irre, verdient jedoch immer noch die Umsetzung jede Anerkennung.
Die stilistische Vielfalt der Geschichten, die jeweils von einem anderen Zeichner visualisiert wurden, ist beeindruckend. Was anfänglich gewöhnungsbedürftig erscheint, entpuppt sich bald als faszinierender Streifzug durch die Welt der Graphic Novel und die Vielseitigkeit ihrer Künstler — und dabei werden die Stories beinahe nebensächlich.
 
Es empfiehlt sich also, sich den Band vor dem Kauf sehr genau anzuschauen, ob man Gefallen daran finden kann. Andererseits sollte man nicht den Fehler machen, sich vom ersten Eindruck abschrecken zu lassen, denn Gefallen stellt sich womöglich erst nach gründlicher Betrachtung ein — dann jedoch vielleicht um so sicherer.

Martin Hoyer, 22.06.2007