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Rubrik: Sachbuch

Lucy im Licht - Dem Jenseits auf der Spur

Markolf H. Niemz
Droemer
ISBN 978-3-426-27420-0
192 Seiten
EUR 16,90

Titelbild: Lucy im Licht - Dem Jenseits auf der Spur

Wer hat sich nicht schon einmal solch elementare Fragen gestellt wie: Hat der Mensch eine Seele? Was geschieht nach dem Tod oder gibt es einen Gott? Viel wurde darüber schon philosophiert und geschrieben.
Mit ”Lucy im Licht” versucht Dr. Markolf H. Niemz, Professor für Physik und Medizintechnik, verständlich und anschaulich Fragen zu beantworten, die eigentlich nicht zu klären sind. Dabei verbindet er Erkenntnisse auf der Sterbeforschung mit deren aus der Theologie und Physik. Und er stellt uns mit Lucy eine fiktive junge Wissenschaftlerin zur Seite, die uns auf der Reise von Diesseits zum Jenseits und durch Raum und Zeit begleitet.
 
Der Ausgangspunkt für jede Hypothese ist dabei Lucys Axiom, welches lautet ”Mit dem körperlichen Tod wird unsere Seele (unser geistiges Ich, unser Bewusstsein) auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, damit sie im Jenseits übergehen kann.”. Auf dieser Aussage wird eine Kausalitätskette aufgebaut und führen zu Erkenntnissen, wie man sich das Jenseits vorstellen oder was der Sinn unseres Lebens sein könnte.
Wenn es nach dem Verfasser geht, steht seine Theorie nicht im Widerspruch zu den bedeutenden Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Erster Ansatzpunkt ist dabei Einsteins Relativitätstheorie, speziell den Searchlight-Effekt (Scheinwerfer-Effekt) und die Theorien der Zeitdehnung und der Längenkontraktion.
Anhand dessen kann belegt werden, dass die Seele nach dem Tod in einen Zustand der Ewigkeit gelangen und allgegenwärtig sein kann, das heißt, nicht an einen Ort gebunden wäre. Weil das eine Erkenntnis ist, welche auch die meisten Weltreligionen proklamieren findet er an dieser Stelle eine Verknüpfungsstelle von der Physik zur Theologie.
Im weiteren Verlauf des Buches kommen nun Menschen zu Wort, die dem Tod einmal sehr nahe gewesen sind. Indem Lucy die Aussagen der modernen Physik mit denn oft beschriebenen Nahtoderfahrungen vergleicht, wird ihr Axiom weiter gefestigt.
Bis wir zum verblüffenden Endergebnis kommen, begegnen wir noch vielen bedeutenden Vorbildern der modernen Naturwissenschaft wie Planck oder Persönlichkeiten aus der Theologie und Philosophie wie Heisenberg, Gandhi, Bonhoeffer oder Papst Benedikt XVI..
 
Dass ein Naturwissenschaftler dem Thema Seele und Jenseits ein ganzes Buch gewidmet hat, ist nicht neu, aber immer noch ungewöhnlich. Niemz distanziert sich von der Materie in sofern, wie er seine Überlegungen durch Lucy formulieren lässt, also durch eine junge und unbefangene Person, die keinerlei wissenschaftlichen Dogmen unterworfen ist. Gleichzeitig werden die umfassenden Überlegungen aus ihrem Munde einfach und verständlich dargelegt.
Ein wenig zu einfach erscheinen dabei lediglich die Grafiken, die den Charme einer schulischen Hausarbeit versprühen, somit in dem ansonsten aufwendig gestalteten Hardcover merkwürdig deplatziert wirken – aber immerhin ihre Funktion erfüllen.
 
Die Seele und ein mögliches Leben nach dem Tod haben keinen echten Bedarf an wissenschaftlichen Beweisen, somit ist dieses Buch – worüber es auch an keiner Stelle Zweifel aufkommen lässt – eher ein interessantes Gedankenspiel, wo und wie sich die scheinbar unvereinbaren Grundsätze von Glauben und Wissen doch noch vereinbaren lassen.

Antje Konopka, 09.10.2007