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Rubrik: Comic

Star Wars: Legacy (1) - Skywalkers Erbe

Jan Duursema, John Ostrander
Dark Horse / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-338
160 Seiten
EUR 14,95

Titelbild: Star Wars: Legacy (1) - Skywalkers Erbe

Nachdem bereits die Schicksale der Helden des Filme in Romanen, Comics und in Videospielen und auch die ferne Vergangenheit des Star-Wars-Universums über den ”Knight of the Old Republic”-Themenkreis umfassend behandelt wurden, folgt nun ein Blick in die fernere Zukunft.
Nach der Schlacht von Endor begann die Ära der Neuen Republik – 100 Jahre später ist sie bereits wieder zerfallen. Ausgelöst wurde dies durch die Folgen des Konflikts mit den Yuuzhan Vong und durch die Machenschaften von Darth Krayt, der sich mit den erstarkten Resten des Imperium verbündete und einen neuen Imperator aus der Fel-Dynastie einsetzte.
 
Im ersten Band von ”Star Wars: Legacy” erleben wir, wie Darth Krayt den regierenden Imperator beseitigen, um nun selbst den Thron zu besteigen. Letzteres gelingt ihm, ersteres nicht: Roan Fel hat den Verrat durch seine Sith-Verbündeten geahnt und sich nach Bastion, der am stärksten verteidigten Welt des Imperiums, zurückgezogen. Krayt, der gegen etwas in seinem Inneren ankämpft, dass ihn zu übernehmen droht, kennt die Gefahr eines gespaltenen Imperiums – und bald ist der entthronte Imperator ebenso ein wie die wenigen überlebenden Jedi, auf deren Köpfe hohe Belohnungen ausgesetzt sind.
Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Kopfgeldjäger wie Cade, Jariah Syn und Deliah Blue. Beziehungsweise wäre es das, trüge Cade nicht den Nachnahmen Skywalker, obwohl er dies – ebenso wie die aus diesem Erbe erwachsenden Fähigkeiten – sogar vor seinen Freunden verbirgt. Seit er als Junge die Vernichtung des Jedi-Tempels und den Tod seines Vaters erlebte, trägt er Empfindungen in sich, die ihn von den Jedi ebenso trennen wie vom Rest der Galaxie. Allerdings kann er seine Abstammung nicht lange verleugnen, da ihn ausgerechnet seine Arbeit als Kopfgeldjäger in einen neuen Krieg der Sterne hineinzieht ...
 
Böse Zungen mögen behaupten immer wieder gerne, hinter neuen Zyklen wie diesem stecke die Idee, noch ein paar Credits aus dem Grundkonzept von Star Wars zu quetschen. Dem würde ich mich so nicht anschließen: Sicher geht es auch darum, wirtschaftlich zu sein, aber letztendlich war Star Wars auch schon immer eine Spielweise für kreative Köpfe, die ihre Ideen auf die bereits existierende Fläche projizierten und – seien wir ehrlich – uns bis auf wenige Ausnahmen nicht stärker (sondern eher weniger) enttäuscht haben als George Lucas selbst.
An guten Ideen mangelt es auch in LEGACY nicht, dafür bürgt wie so oft die Zusammenarbeit von Jan Duursema und John Ostrander, die zwar sämtliche Konventionen von Star Wars bedienen, aber trotzdem erfrischend neue Einfälle platzieren, die sich dann trotzdem einfügen. Die Charakterisierung der Personen bleibt – zumindest in diesem ersten Band – eher skizzenhaft.
Künstlerisch darf man natürlich keine Experimente erwarten – aber wer erwartet diese schon? LEGACY folgt der Popcorn-Tradition von Star Wars, soweit das Medium es zulässt, und fährt gut damit. Die Visualisierung von Orten und Personen ist, dem Inhalt angemessen, düster und schmutzig; die wenigen sauberen Ecken erfüllen den Zweck, Monumentalität wiederzugeben. Überhaupt geht es stark um das Panorama: Viele Panels sind nicht hoch, füllen aber dafür die komplette Breite der Seite und erzeugen den Eindruck von Weite, was gerade bei Außenansichten, aber auch bei Räumlichkeiten ausgesprochen wirksam ist. Außerdem ermöglicht es eine gewisse Steuerung der Betrachtungsgeschwindigkeit, da der Kontrast zu den kleinen Panels bei Actionszenen so groß ist, das zwangsläufig Tempo bzw. Ruhe entsteht.
 
Fazit: Reinschnuppern, sofern man nicht als Fan ohnehin zugegriffen hat. LEGACY ist bisher keine Offenbarung, aber grundsolide Unterhaltung ohne Wermutstropfen. Ob es der Anfang einer nachhaltigen Perspektive auf Star Wars werden kann, bleibt abzuwarten.

Martin Hoyer, 29.08.2007