Das große Fantasy-Forum.

Rubrik: Comic

Voodoo Child

Weston Cage, Nicolas Cage, Mike Carey, Dean Ruben Hyrapiet u.a.
Panini Comics
ISBN 978-3-86607-590-0
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Voodoo Child

Wenn der Sohnemann eines bekannten Filmschauspielers mit Unterstützung seines Herrn Papa eine Graphic Novel bei Virgin Comics platziert, schrillen bei Kennern der Materie prophylaktisch alle Alarmglocken, denn nur allzu oft mündet die Teenager-Fantasie vom selbst verbrochenen Comic in ein Debakel, sofern denn Vitamin B für die Umsetzung sorgt.
 
Um so besser, wenn in diesem Fall Entwarnung gegeben werden kann. Zwar sind die überschwänglichen Lobeshymnen dezent übertreiben, aber dennoch ist ein durchaus lesens- und sehenswerter Band dabei herausgekommen. Nun steht zwar zu vermuten, dass dies der editorischen Erfahrung von MacKenzie Cadenhead (Marvel, Virgin) zu verdanken ist, aber letztlich zählt doch das Ergebnis.
 
Die Story an sich ist zu vernachlässigen: Wieder einmal kommt das Opfer eines Unrechts mit dunklen Mächten in Berührung und muss in Laufe von Jahrhunderten gegen diese ankämpfen, während er zum Rächer der Witwen und Waisen avanciert. Auch die Angewohnheit US-amerikanischer Autoren, den aktuellen Erzählstrang in nationale Krisengebiete — in diesem Fall New Orleans nach den Verheerungen durch den Hurrikan Katrina — zu verlagern, ist nicht eben neu.
Was das Ganze ungewöhnlich macht, ist der in diesem Fall jugendliche Held und die Verbindung zum Voodoo-Kult, wobei ausnahmsweise die gröbsten damit verbundenen Klischees außen vor bleiben.
 
Die Geschichte lebt von der desolaten Stimmung, in der die wenigen Funken Hoffnung um so stärker auffallen, und von einem Helden, der zwischen kindlicher Wut, uralter Einsicht, Rachegelüsten und einem unverfälschtem Gerechtigkeitsempfinden hin und her gerissen ist.
Dabei ist die Erzählweise keineswegs auf jugendliche Leser zugeschnitten: Es geht in Aktion und Worten durchaus rüde zur Sache — man ist unwillkürlich etwas in Sorge um die gute Kinderstube von Weston Cage, sollte dieser tatsächlich soweit in den Entwicklungsprozess der Geschichte involviert sein, wie die Werbung glauben machen möchte. Aber das ist dann wohl das Problem von Nicolas Cage.
 
Kein Problem hingegen ist es, diese Graphic Novel jedem ans Herz zu legen, der sich auf abgeschlossene Geschichten vor dem Hintergrund einer sonst eher abstrus dargestellten Religion einlassen möchte.

Martin Hoyer, 08.08.2008