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Rubrik: Sachbuch

Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen

Jörg Zittlau
Econ
ISBN 978-3-430-30012-4
191 Seiten
EUR 18,00

Titelbild: Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen

Charles Darwin (1809 – 1882) gilt als Begründer der Evolutionstheorie. Er stellte entgegen der Meinung seiner Zeitgenossen heraus, dass unsere heutige Tier –und Pflanzenwelt nicht einem Akt der Schöpfung durch die Hand Gottes entstammt, sondern sich als Folge eines Anpassungsprozesses langsam entwickelte. Darwin bezeichnete es als natürliche Auslese oder Selektion. Nach seiner Auffassung überleben nur die Arten, die durch ihre speziellen Merkmale optimal an ihren Lebensraum angepasst sind. Neue Eigenschaften entstehen dabei durch spontane Mutationen im Erbgut bei der Fortpflanzung. Die am besten angepassten Nachkommen überleben und so entstehen über Generationen hinweg immer neue Arten.
 
Das hört sich in der Theorie ganz plausibel an und Darwin ist mit seiner Evolutionstheorie auch weltberühmt geworden. Aber wie verhält sich die Evolution im Praxistest?
Jörg Zittlau, ein populärer Biologe und Wissenschaftspublizist beweist in zahlreichen Beispielen aus der Tierwelt, dass die Evolution keineswegs so perfekt funktioniert, wie die Darwinisten annehmen.
 
Da begegnen wir beispielsweise der Tropenameise Cataulacus muticus, die sich bei Überschwemmungen, wie sie in ihrer Heimat den Regenwäldern Malaysias, öfter vorkommen, nicht etwa ein neues Zuhause sucht. Nein, sie versucht ihre Behausung zu retten, indem sie das in den Bau eindringende Wasser trinkt und es vor ihrer Tür wieder ausscheidet. Gott sei Dank wird sie dabei von ihren Ameisenschwestern unterstützt. Trotzdem kostet das aufwändige Verfahren viel Kraft und Zeit, ist also evolutionär gesehen nicht besonders effektiv. Immerhin ist diese Ameisenart noch nicht ausgestorben.
 
An anderer Stelle stellt sich die Strumpfbandnatter vor, die von der Evolution mit Giftdrüsen ausgestattet wurde, die sie sinnigerweise nicht benutzen kann. Zudem hat diese Natterart eine äußerst giftige Vorliebe: Sie frisst nämlich eine Molchart, die viel tödliches Gift produziert. Die Natter stirbt zwar nicht an der ungewöhnlichen Delikatesse, kann sich aber während des Verdauungsprozesses nur schleichend fortbewegen und wird so zu einem leichtem Opfer für Vögel. Die wiederum schnappen sich lieber eine langsame Schlange als einer schnellen Maus hinterher zu jagen.
 
Die Fehltritte der Evolution ziehen sich durch die gesamte Tierwelt. In kurzen Episoden begegnen wir Koalabären, Störchen, Blauwalen, Pinguinen, Löwen und viele weiteren uns wohlbekannten Viechern. In zehn Kapiteln kommen für die Vertreter der Tierarten höchst unbequeme, für uns aber äußerst amüsante Details ans Licht.
Aber auch der Mensch präsentiert sich als ”Mängelwesen”, ihm hat der Autor ein ganzes Kapitel gewidmet.
 
Leider ist das Buch von Jörg Zittlau nicht nur ein kurzweiliges, sondern auch ein eher kurzes Vergnügen. Dafür entschädigt die schöne Gestaltung der kleinen Büchleins, es präsentiert sich im Hardcover und viele Seiten zieren die witzigen Illustrationen von Lucia Obi, was den etwas höheren Preis rechtfertigt und es zu einer netten Geschenkidee macht.

Antje Konopka, 12.05.2007