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Rubrik: Comic

Der brennende Mann / Der Holzjunge

Tad Williams, Raymond E. Feist, Sean J. Jordan, Brett Booth, Mat Broome u.a.
Panini Comics
ISBN 978-3866074835
128 Seiten
EUR 14,95

Titelbild: Der brennende Mann / Der Holzjunge

In diesem Comic-Band findet man gleich zwei Geschichten von je einem berühmten Fantasy-Autoren. Ihnen gemeinsam ist die Bearbeitung von Sean J. Jordan, der ein außergewöhnliches Gespür für die Erzählungen beweist.
 
Raymond E. Feist: Der Holzjunge
 
Eigentlich heißt er Dirk, doch seit er für die Krieger, die ihn und seine Familie versklavt haben, das Brennholz trägt, nennen ihn nur noch alle den Holzjungen. Die Tsurani kommen in die Stadt, in der Dirk lebt und machen sich dort breit. Sie sind unglaublich stark, so dass sie sich ohne Probleme gegen die Bewohner durchsetzen können. Wer nicht gehorcht, wird gehenkt. Ihre Methoden sind grausam, funktionieren aber, denn jeder Einzelne fügt sich in sein Schicksal und ist ihnen zu Diensten. Die Menschen arbeiten nur noch, um zu überleben. Niemandem außer dem Gutsherren und seinem engsten Vertrauten ist es erlaubt, eine Waffe zu tragen. Diese Regel soll das Schicksal vom Holzjungen und der anderen Sklaven besiegeln. Schon immer fühlte Dirk sich zu der Tochter des Hausherren hingezogen. Als diese eines Tages unter dem Mantel einer grauenhaften Mordserie entführt wird, macht er sich auf die Suche nach ihr und muss erleben, was es heißen kann, zu lieben.
 
Raymond E. Feists Geschichte handelt von der Kunst zu überleben und von der zarten Liebe eines jungen Mannes. Sie ist an seine Midkemia-Saga angelehnt, steht aber komplett für sich alleine. Zu Anfang hat man noch das Gefühl, dass die Tsurani, das kriegerische Volk, ein Geheimnis verbergen. Sie tragen kein Metall an sich, suchen dieses aber unter den erbeuteten Schätzen heraus. Zudem sind ihnen viele Alltagsgegenstände unbekannt. Allerdings werden diese Merkwürdigkeiten nie aufgeklärt und verlaufen im Sande dieser gefühlvollen Geschichte. Die Gefühle des Holzjungen, aus dessen Sicht alles erzählt wird, sind so intensiv, dass man in jedem Moment mit ihm fühlen kann. Die Spannung wird bis zum letzten Augenblick gehalten.
 



 
Tad Williams: Der brennende Mann
 
Breda ist ein Mädchen, dass sich nichts sagen lässt, sie hat ihren eigenen Sturkopf. Als ihre verwitwete Mutter Lord Sulis heiratet, zieht sie gemeinsam mit ihnen auf eine einsame Burg. Die Gefolgsleute des Lords bauen das Gemäuer wieder auf, doch trotzdem wird es von einer geheimnisvollen und mystischen Aura umhüllt. Welches Geheimnis birgt es? Als Bredas Mutter einige Jahre später stirbt, ist sie ihrem Stiefvater noch immer nicht näher gekommen, er behandelt sie abweisend und kühl. Dagegen ist Tellarin, einer seiner Soldaten, von ihr völlig hingerissen, und zwischen den beiden entspringt eine intensive Liebe. Nach einiger Zeit empfängt sie ihn sogar heimlich in ihrer Kammer, um mit ihm unbeschwerte Liebesnächte zu genießen. Doch mit der Zeit legt sich eine düstere Stimmung auf die Burg. Lord Sulis wird immer merkwürdiger und beginnt Selbstgespräche. Als er dann noch eine Hexe gefangen nimmt, weiß Breda nicht mehr weiter. Sie muss herausbekommen, was ihren Stiefvater so belastet und geht dabei ein großes Risiko ein.
 
Auch die Geschichte von Tad Williams ist eher eine zart gesponnene Erzählung um die Liebe, denn eine Fantasygeschichte. Allerdings hat sie tatsächlich einige fantastische Elemente und ist in der Welt Osten Ard angesiedelt. Breda ist eine starke Persönlichkeit, auch wenn ihr das selbst zu Anfang gar nicht bewusst ist. Sie erzählt uns, wie sich ihr die Dinge dargestellt haben, als ihre Mutter starb, und sie den brennenden Mann sah. Überhaupt ist dieser Mann das Element, an dem sich die Geschichte fest macht, auch wenn es lediglich das dramatische Ende einläutet. Bredas Liebe zu Tellarin und ihrem Vater wird sehr genau ausgearbeitet und berührt den Leser.
 
Beide Geschichten haben einen zarten und weichen Zeichenstil gemeinsam, auch wenn sie von verschiedenen Künstlern umgesetzt wurden. Fließende Farben und intensive Licht- und Schattenspiele lassen den Comic auch optisch zu einem Vergnügen werden. Hier haben zwei Autoren zwei Geschichten vorgelegt, die gut zueinander passen und beide die Liebe als zentrales Thema haben. Sie wissen mit ihren Erzählungen zu fesseln und zu berühren. Ein wirklich gelungener Comic-Band.

Bine Endruteit, 17.04.2008