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Rubrik: Belletristik

Die Alchimistin

Kai Meyer
Heyne Verlag
ISBN 978-3-453-47080-4
492 Seiten
EUR 8,95

Titelbild: Die Alchimistin

Die Gischt der Ostsee umspielt die schroffen Felsen eines mittelalterlichen Schlosses. Einst war sie ein Zufluchtsort der Tempelritter, Jahre später ein Versteck für Piraten, und Ende des 19. Jahrhunderts gehört sie der Familie Institoris. Doch das weitläufige Schloss beherbergt ein dunkles Geheimnis. Zu dieser Zeit führt der Schlossherr Nestor Nepomuk Institoris im Dachgeschoss des Hauses alchemistische Experimente durch. Tag und Nacht brennt der Ofen Athanor, um das richtige Gemisch zu finden, welches den Tod besiegt und ewiges Leben schenkt.
 
Während Nestor wegen seiner Experimente kaum noch am Familienleben teilnimmt, versucht die Hausherrin Charlotte das Bild einer normalen Familie aufrechtzuerhalten und holt sich zu dem Zwecke noch ein zweites Waisenkind in die Familie. Christopher lernt Daniel, sowie Charlottes Töchter Sylvette und Aura kennen. Mit dem Tod Nestors beginnt für die vier Geschwister eine abenteuerliche und gefährliche Odyssee durch ganz Europa.
Unterdessen kehrt der Mörder nach Wien zu seinem Auftraggeber zurück ...
 
Den Durchbruch erreichte Meyer bereits 1994 mit ”Die Geisterseher”, danach folgte sein Buch 1998 ”Die Alchimistin”, welches gleich ein Bestseller wurde. Seither wurde es in regelmäßigen Abständen neu aufgelegt, mal als Sonderausgabe und jetzt wieder als Taschenbuchausgabe im Heyne Verlag. Zur neuen Ausgabe gehört auch ein neues Cover, welches zum einen nichts mit dem Inhalt zu tun hat und mich zum anderen stark an die Gestaltung der Romane von Dan Brown erinnert, obwohl die inhaltlichen Parallelen – zum Glück – marginal sind.
 
Doch wie dem auch sei: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, nachdem ich einmal damit angefangen hatte. Geschickt verbindet Meyer Mystery und historischen Krimi mit einer wohldosierten Brise Romantik. Besonders faszinierend sind Meyers Charaktere, die sich Schubladen verweigern und sich häufig ambivalent darstellen. Auch die Beschreibung der Schauplätze gelingt Meyer ausgesprochen bildhaft. Ob alte Schlösser, die Katakomben von Wien oder Venedig oder die außergewöhnliche Landschaft eines Landes mit Namen Swanetien. Jede neue Seite des Buches bringt überraschende und auch erschreckende Details zum Vorschein, die Geschichte ist dabei niemals vorhersehbar. Geschickt führt Meyer den Leser immer wieder hinters Licht, bis auf der letzten Seite endlich alle Geheimnisse gelüftet sind.

Antje Konopka, 15.05.2007