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Rubrik: Comic

Ocean

Warren Ellis, Chris Sprouse, Karl Story
Wildstorm / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-360
160 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: Ocean

In der Reihe WILDSTORM ESSENTIALS bringt Panini eine Reihe ausgewählter Einzeltitel des Verlages heraus. Der jüngste Spross dieser Edition ist ”Ocean” aus der Feder von Warren Ellis, der für so ziemlich alle Großen der Comic-Branche tätig war und sich dort einen Namen gemacht hat.
 
Nun gut, dem Plot von ”Ocean” darf man keine allzu große Originalität oder gar Genialität unterstellen: Unter dem komplett von Eis bedeckten Ozean des Jupitermondes Europa werden tausende in der Tiefe treibende, uralte Artefakte gefunden. Nathan Kane, seines Zeichens ein Waffeninspektor der UN wird geschickt, um die Sache zu untersuchen und das Gefährdungspotential einzuschätzen. Zusammen mit einer multinationalen Gruppe schräger Wissenschaftler muss er gegen den Konzern Doors (Die Anlehnung an das berühmt-berüchtigten Betriebssystem eines realen Megakonzerns hätte – wie viele andere – ruhig etwas subtiler ausfallen können ...) antreten, der perfide Absichten mit den außerirdischen Hinterlassenschaften verfolgt.
Wem diese Grundkonstellation allzu bekannt vorkommt, hat mit ziemlicher Sicherheit die Romane ”2001 – Odyssee im Weltraum” bis ”2061 – Odyssee III” von Arthur C. Clarke gelesen, wobei sich die Graphic Novel auch ungeniert bei Bildkompositionen aus den Verfilmungen der ersten zwei Romane bedient. Das Ganze garniert Ellis mit handfester Action und kernigen Zoten und einigen Charakterkonstellationen, wie man sie aus ”Stirb langsam” kennt.
 
Was sich vielleicht wie der Beginn eines Verriss´ liest, soll eigentlich nur klarstellen, dass es sich bei ”Ocean” nicht um eine tief schürfende Graphic Novel handelt, wie das Format und die Platzierung suggerieren. Das Ganze ist pure Unterhaltung, und da stört es auch nicht, dass die Charaktere mit der heißen Nadel gestrickt und höchst inkonsistent sind (Wie viele Waffen verachtende UN-Inspektoren kennen Sie, die sich bei passender Gelegenheit als überlegene Einzelkämpfer betätigen?), oder dass Probleme und Lösungen jeweils passend aus dem Hut gezaubert werden.
”Ocean” ist ein Action-Film vor SF-Kulisse in gezeichneter Form, sollte auch als solcher betrachtet werden und funktioniert aus dieser Perspektive bestens: Die Graphic Novel ist immens kurzweilig und es macht Spaß, sie zu lesen.
 
Visuell ist die Umsetzung eher unauffällig und manchmal sogar eine Spur zu arm an zeichnerischen Details. Die Anordnung der Panels ist ordentlich, fast bieder, was zwar für unkompliziertes Schmökern sorgt, aber nicht immer zum Tempo der Geschichte passt. Positiv fällt die Kolorierung von Karl Story auf – die kühle Ästhetik des Szenarios wird durch eine dezente Farbwahl und eine gelungene Unterstützung des getuschten Licht- und Schattenwurfs treffend eingefangen. Wo es kracht, kommen auch kräftigere Farben zu Einsatz, was für schöne Effekte sorgt.
 
Fazit: Den Fernseher auslassen und sich mit einer Tüte Chips und einem ungesunden Getränk eigener Wahl aufs Sofa fläzen, um dem Großhirn etwas Entspannung und dem Reptilienhirn etwas Futter zu gönnen.

Martin Hoyer, 11.04.2007