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Rubrik: Comic

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

George Lucas, Jeff Nathanson, David Koepp, John Jackson Miller, Luke Ross, Cliff Richards u.a.
Panini Comics
ISBN 978-3-86607-573-3
100 Seiten
EUR 12,95

Titelbild: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Romane und Comics zum Film/Spiel wecken zumeist keine großen — oder doch zumindest keine positiven — Erwartungen. Nachdem einige jüngere Beispiele davon abwichen, ging ich mit durchaus positiven Erwartungen an den Comic zum filmischen Revival von ”Indiana Jones” heran. Das war ein Fehler.
 
Von außen macht das Heft dabei einen sehr guten Eindruck. Keine Ahnung, wie das Original gestaltet war, aber bei Panini hat man sich Mühe gegeben, das Ganze mit stimmigem Retro-Look und partieller Hochglanz-Kaschierung zu einem Hinkucker zu machen. Das war´s dann aber auch schon mit den positiven Eindrücken.
 
Das Übel beginnt beim Konzept an sich: Führt man sich den Comic vor dem Film zu Gemüte, hat man üble Spoiler. Tut man es aus diesem Grunde — so wie ich — erst nach dem Film, erwartet man irgendwie mehr als die lieblosen, detailarmen Panels, die man dann geboten bekommt. Man möchte doch bitteschön die bereits bekannte Handlung aus einer neuen Perspektive, eventuell mit weiteren Details, noch einmal erleben oder doch zumindest angemessen visualisiert vorfinden — doch damit ist´s Essig.
Mag ja sein, dass Luke Ross und Cliff Richards am Zeichentisch bewusst eine Retro-Look gewählt haben, aber das war dann eine Fehlentscheidung. Ich erwarte ja keine knallbunte Hektik, aber nur weil der Film dem visuellen Stil seiner Vorgänger kopierte, muss doch nicht auch der Comic zum Film unbedingt dem zeichnerischen Comic-Standard der 80er entsprechen.
 
Übrigens ist das Ganze selbst daran gemessen bemerkenswert lahm, denn es will keine Dynamik aufkommen. Es fehlen die beeindruckenden Perspektiven, die zum Look & Feel von ”Indiana Jones” gehören. Den Todesstoß erhält die grafische Umsetzung dadurch, dass die Darstellung der Charaktere mit Fug und Recht als misslungen bezeichnet werden kann: Allein Indy selbst sieht im Comic so alt aus, wie man im Vorfeld des Film in den schlimmsten Erwartungen gefürchtet hat; außerdem steht er in 90% der Darstellungen entweder schlaff oder debil dreinblickend herum — häufig auch beides gleichzeitig. Die anderen Charaktere erkennt man wieder, mehr aber auch nicht.
 
Über den Wert des Films gab es in der Fan-Gemeinde heftige Diskussionen. Der Comic jedoch ist mehr oder weniger indiskutabel und allenfalls für Sammler von Interesse, die auf Vollständigkeit bedacht sind.

Martin Hoyer, 18.06.2008