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Rubrik: Comic

DC Premium (49): Batman - Dark Detective

S. Englehart, M. Rogers
DC / Panini Comics
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: DC Premium (49): Batman - Dark Detective

Die Geschichte dieses Bandes beginnt mit einem Knalleffekt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung des Gouverneurs-Kandidaten Evan Gregory kündigt ein weiterer Mann an, ins Rennen um das Amt zu gehen: Der Joker. Und er verspricht: Wenn´s keine Wahlkampfspenden gibt, gibt´s Tote. Natürlich kann Batman, der Dunkle Ritter, das nicht so einfach hinnehmen, doch dem Joker gelingt die Flucht. Der erste Zug in einem mörderischen Spiel – Was soll´s denn sonst sein bei den grünhaarigen Grinser? – ist getan. Doch ist das Spiel komplizierter als erwartet: Auch Dr. Crane alias Scarecrow und der ehemalige Staatsanwalt Harvey Dent, besser bekannt als Two-Face, schmieden Pläne und kommen Batman respektive dem Joker in die Quere.
 
Die eigentliche Kernfigur des Bandes ist aber eine andere: Evan Gregorys Verlobte Silver St. Cloud. Um die Signifikanz davon zu verstehen, muss man sich schon ein wenig in die Comic-Geschichte vertiefen. Silver St. Cloud wurde von Englehart vor fast 30 Jahren geschaffen, ihren ersten Auftritt hat sie in Heft 470 der US-Serie ”Detective Comics” im Jahre 1977. Innerhalb nur weniger Ausgaben hatte sie sich in Bruce Wayne verliebt, sein Geheimnis durchschaut und vor dessen Gefahren die Flucht ergriffen – nachzulesen im englischsprachiger Sammelband ”Batman: Strange Apparitions”.
 
Mit Silver St. Clouds erstem Auftreten seit damals schließt Dark Detective inhaltlich an jene Hefte an. Ein Angstgift Scarecrows erlaubt es Silver und Bruce, sich ihren Ängsten zu stellen und so erneut zueinander zu finden. Das wäre viel origineller, wenn es ohne die obligatorische Rückblende auf Batmans Vorgeschichte und eine fast ebenso obligatorische Neuinterpretation eben dieser auskäme. Wenigstens darf der Joker sein übliches, brillant-wahnsinniges Selbst sein, und das mit Seitenhieben auf die reale Politik perfekt inszeniert. Natürlich ist am Ende auch Batman ganz der eiskalt berechnend selbstlose Alte – wäre er ein Mal einfach nur Mensch, könnte er das Mädchen schlecht verlieren. Insgesamt wirkt die Erzählung doch irgendwie zu sehr nach der ewig gleichen Leier, um wirklich interessant zu sein.
 
Optimistischer wäre es, sie als ”klassischer Batman im Stile der 70er” zu interpretieren. Genau das dürfte es sein, was Engleharts eigentlich erreichen wollte, denn dazu passt der graphische Stil: Lang nicht mehr so schrill wie in den 60ern (aus der die passende Real-Fernsehserie stammt), erwachsener und ernster; doch bei weitem nicht so dunkeldüster, wie es gerade für Batman 1986 mit Frank Millers ”The Dark Knight Returns” populär wurde. Was Rogers für uns gezeichnet hat, bringt also wirklich – zumindest optisch – das Beste im nicht ganz so Dunklen Ritter hervor.
 
Insgesamt ergibt sich ein etwas seltsames Bild: Englehart war klar bestrebt, eine klassische Batman-Geschichte zu liefern, hat aber die feine Abgrenzung zwischen klassisch und ewig gleich etwas aus den Augen verloren. Somit verbleibt letztendlich eine einfach nur solide Geschichte rund um Batman und den Joker, die nur optisch wirklich hohes Niveau erreicht.

Thomas Pichler, 28.06.2007