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Rubrik: Comic

Wolverine (36): Origins

Daniel Way, Steve Dillon
Marvel / Panini Comics
52 Seiten
EUR 3,95

Titelbild: Wolverine (36): Origins

Wie kommt es nur, dass gerade den zwiespältigen Figuren im Marvel-Universum so ein großer Erfolg beschieden ist. Je zerrissener und ambivalenter die Figur desto größer der Erfolg, und tatsächlich ist es so, dass neben dem famosen Spinnenmenschen insbesondere ein anderer Held extrem beliebt ist, dessen Name ganz zufällig auch aus dem Tierreich stammt: Wolverine.
 
Nun hat auch er eine eigene Serie bekommen, und im Haus der Ideen möchte man alles tun, um der Figur gerecht zu werden und der Leser bekommt einen Wolverine präsentiert, der auf verschiedenen Zeitebenen agiert (Gegenwart, Vergangenheit) und mal als einsamer Rächer und mal als übler Folterknecht agiert. Nanu, mag sich da mancher Leser fragen, zwar wissen wir, das Wolvie nicht gerade zimperlich zur Sache geht, aber als manipulierender, folternder Regierungs-Scherge, das habe ich noch nicht gesehen.
 
Aber dieses erste Heft (das übrigens die Ausgaben 1 und 2 der amerikanischen Ausgabe in sich vereint, und auch das zweite Titelbild enthält) legt eindeutig nur den Grundstein zu einer Geschichte voller Intrigen, mieser Geheimorganisationen, erpresster Regierungsbeamter in deren Reigen sich ein Wolverine bewegt, dessen wahre Motive und Ziele kaum zu erahnen sind.
 
Auf jeden Fall ist die Story ziemlich spannend, wendet sich eher an ein reiferes Publikum und macht Lust auf mehr. Hier hat man sich bei Marvel richtig ins Zeug gelegt und der Autor und die Redaktion haben Wolvies Vergangenheit gründlichst durchforstet, um möglicht keine Logikfehler einzubauen, was bei einem Charakter mit einer so bewegten Comic-Vergangenheit wie Wolverine schnell passiert ist. Übrigens bezieht sich der Titel ”Wolverine: Origins” nicht auf die Geburtsgeschichte des krallenbewehrten Helden. Wer darüber mehr erfahren will, sollte sich die Serie ”ORIGIN” besorgen und sich den Band ”WeaponX” reinziehen.
 
Einen klitzekleinen Kritikpunkt hätte ich jedoch, obwohl das wohl eher eine Geschmackssache ist: Steve Dillons Zeichnungen, die in der Serie ”Preacher” das urbane, rotzige, brutale und teilweise schon anarchistische Szenario so wunderbar visualisiert haben, sind mir zu glatt für diese Serie geraten. Von seiner spontanen und kruden Linienführung ist nur wenig übrig geblieben und was zu sehen ist, wird den Charakteren und der Geschichte nur bedingt gerecht. Wenn es darum geht Wolverines Wildheit und Kampfstil in Szene zu setzen ist Dillon eindeutig zu brav, aber immer wenn es darum geht, die Gemütsregungen der Charakter in deren Gesicht zu inszenieren, kann Dillon punkten.
 
Trotz dieses kleinen Wermutstropfens, ein wirklich gelungenes Heft.

Heiner Hink, 22.01.2007