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Rubrik: Comic

John Constantine - Hellblazer (2): Der rote Tod

Mike Carey, Steve Dillon, Marcelo Frusin
Vertigo / Panini Comics
ISBN 978-3-86607-493-4
148 Seiten
EUR 16,95

Titelbild: John Constantine - Hellblazer (2): Der rote Tod

Nach ”Hölle auf Erden” das quasi nur ein von der eigentlichen Geschichte unabhängiger Auftakt war, beginnt nun die eigentliche Storyline um den Hellblazer John Constantine, der in den letzten Jahren durch die gleichnamige Verfilmung mit Keanu Reeves einer größeren Schar von Interessenten bekannt geworden sein dürfte.
Die in DC´s Vertigo-Sektion erschienene Comic-Serie wird von Panini in Graphic-Novels mit Klappbroschur heraus gegeben.
 
Der Band umfasst zwei Stories, die jedoch aufeinander aufbauen. In ”Die Droge Leben” kehrt John Constantine nach England zurück, um dort die Bruchstücke seines Lebens zu ordnen und einen Blick auf seine Nichte Gemma zu haben. Doch zunächst wird er mit einem geheimnisvollen Selbstmord in den Slums und dem Groll seiner Freund Cheryl konfrontiert, die ihn für tot gehalten hat. Sie trennen sich im Streit, doch das hält John nicht davon ab, nach den Tätern zu suchen, als Cheryl von Unbekannten überfallen und schwer misshandelt wird. Die Spuren weisen auf einen Serientäter hin, doch John ahnt, dass auch das Übernatürliche dahinter steckt. Vielleicht weiß die alte Dame mehr, die seine Freundin noch kurz zuvor beobachtet hat.
Schwieriger ist es für John Constantine, seine Nichte in die Finger zu bekommen und zurechtzuweisen. Denn Gemma hat sich nicht nur begeistert in die Abenteuer gestürzt, die London bietet, sondern versucht auch ihrem Onkel nachzueifern und heraus zu finden, was ”Der Rote Tod” ist, und warum er für einige Leute so interessant zu sein scheint.
Doch diese schlafen nicht und beschließen das junge und unerfahrene Mädchen als Faustpfand und Geisel gegenüber John Constantine zu benutzen. Denn nun, wo er wieder im Land ist, könnte er ihren okkulten Geschäften im Weg stehen — und das wollen sie auf jeden Fall verhindern.
 
Wie auch schon in ”Hölle auf Erden” erweist sich auch in ”Der rote Tod”, dass die Welt des John Constantine alles andere als licht und hell ist. Wieder bewegt er sich in den Schatten und im Schmutz, wird mit den Abgründen menschlicher Leidenschaften und ihrer Verbindung zum Okkulten konfrontiert und muss wohl oder übel etwas dagegen unternehmen, wenn die Leute, die ihm wichtig sind überleben sollen.
Die Handlung wird konsequent gesponnen und zusammengefügt. Auch wenn die Geschichte stellenweise etwas dahin dümpelt, so fügt sich doch gerade in ”Der Rote Tod” das meiste zusammen und steuert auf einen actionreichen Höhepunkt zu.
Allerdings kommt die zweite Graphic Novel weder optisch noch inhaltlich kommt an die erste heran. Ihr fehlt die düstere Horror-Atmosphäre, die in der ersten noch deutlich zu spüren war. Sie ist eher einer pessimistischen, ja gar zynisch-melancholischen Stimmung gewichen, wie man sie aus dem Film Noir kennt. Und das mag nicht nur daran liegen, dass die Zeichnungen weniger detailreich und die Farben viel heller sind als im ersten Band, denn die Geschichte besitzt mehr Krimi und Thriller als irgendwelche phantastischen Elemente.
Das Übernatürliche ist zwar vorhanden, steht aber nicht im Vordergrund. John Constantine muss sich eher durch einen Dschungel aus Lügen und Intrigen kämpfen, und mit den Schatten der Geschichte seiner eigenen Familie auseinander setzen, als sich mit der Hölle und ihren Kreaturen anlegen. Das könnte den ein oder anderen Leser, ebenso wie das relativ offene Ende doch etwas enttäuschen.
 
Das macht ”John Constantine” zu einer zwiespältigen Serie, die als mystischer Thriller durchaus ihre starken Momente besitzt, aber doch nicht ganz so sehr mit der Phantastik spielt, wie man eigentlich durch andere Vertigo-Serien wie ”Sandman” erwarten mag. Wer damit leben kann erhält einen leidlich spannenden Thriller mit Mystery-Elementen, dessen weitere Entwicklung noch abzuwarten bleibt.

Christel Scheja, 05.10.2007