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Rubrik: Comic

Justice Society of America (1)

G. Johns, D. Eaglesham
DC / Panini Comics
116 Seiten
EUR 12,95

Titelbild: Justice Society of America (1)

Das goldene Zeitalter der Superhelden, rund um den 2. Weltkrieg, hat auch das erste große Team gebracht: Die Justice Society of America. Nach der Crisis of Infinite Earths hatte sie im DC-Universum lange eher ein Schattendasein geführt, ehe es 1999 zu einem relativ erfolgreichen Relaunch unter dem Kürzel JSA kam. Nach der Infinite Crisis ist es an den wenigen verbleibenden alten Hasen, das Erbe der Justice Society zu erhalten: Green Lantern Alan Scott und Flash Jay Garrick. Auch Wildcat Ted Grant sollte eine Rolle spielen, ist aber von der Idee, Rekruten auszuwählen, nicht sonderlich begeistert.
 
Den Kern der neuen Society bilden nicht übermäßig bekannte, aber etablierte Helden. Power Girl Kara Zor-L, Mr. Terrific, Stargirl, Obsidian, Dr. Mid-Nite oder die einstige Jesse Quick, jetzt als Liberty Belle bekannt, zählen zur neuen JSA. Sie beginnen, zusätzliche Rekruten aufzusuchen, darunter Damage, ein neuer Starman und eine junge Frau namens Maxine Hunkel, Enkelin der ersten Red Tornado.
 
Schnell findet ein erstes Problem die neue Society: Ein toter Held fällt durch die Oberlichte des Hauptquartiers. Erst herrscht Ratlosigkeit, doch mit der Zeit zeigt sich: Die Familien von Helden aus der Zeit des 2. Weltkriegs werden angegriffen. Eine Gruppe, die sich Viertes Reich nennt, versucht, die Linien dieser Helden auszulöschen. Einer dieser Angriffe führt auch dazu, dass Hawkman und Nathan Heywood, Enkel des Weltkriegshelden Commander Steel, zur Justice Society stoßen. Ted Grant wiederum wird mit einer unerwarteten Tatsache konfrontiert: Er hat einen erwachsenen Sohn, Tom Bronson. Und wie sich herausstellt, als der Kopf hinter den Angriffen auf Heldenfamilien seinen Auftritt hat, hält Tom noch eine weitere Überraschung bereit.
 
Ein großes Thema das Bandes ist ganz klar die Tradition der Superhelden: Fast jedes Mitglied hat eine Verbindung zu Superhelden der 1940er. Ob ganz direkt wie die drei alten Herren, als neuer Träger eines alten Mantels wie Mr. Terrific oder als biologischer Nachkomme eines Helden von damals wie Maxine Hunkel, die sich für den Heldennamen Cyclone entscheidet. Auch die Schurken des Vierten Reichs passen in dieses Gefüge, und dass der Kopf dahinter ein Schurke aus der alten Zeit ist, versteht sich von selbst. Insgesamt ein gutes Konzept für den Neustart der Justice Society. Und: Dank der neuen Charaktere gibt es welche, auf die wirklich näher eingegangen wird. Das macht den Band für Einsteiger zugänglicher als z.B. den kürzlich erschienen ”Justice League”-Relaunch.
 
Für DC-Kenner zeichnet sich noch ein zweites wichtiges Thema ab: Die Veränderungen des DC-Multiversums. Der scheinbar verrückte neue Starman betont nicht nur ständig ”52”, sondern sagt sogar ziemlich direkt, dass er in der Welt der bekannten ”Kingdom Come”-Storyline war. Ein Preview-Panel wiederum verspricht für die Zukunft des Titels das Auftauchen eines Superman mit grauen Schläfen. Stammleser bekommen also auch einiges geboten.
 
Geoff Johns Erzählstil kann fesseln, nicht zuletzt dank einer gewissen Vielseitigkeit. Die über weite Strecken eher humorvolle Einführung von Maxine Hunkel steht ihrer gut gebrachten Reaktion auf den ersten Toten gegenüber, während Ted und Tom gut als in ihrem Innersten aus recht ähnlichem Holz geschnitzt präsentiert werden. Auch optisch ist die Gestaltung sehr ansprechend. Dale Eagleshams ziemlich realistischer Zeichenstil ist genau richtig für ein klassisches Team, und bestens geeignet auch einzufangen, dass die alten Herren der Justice Society eben tatsächlich alt werden.
 
Justice Society of America 1 ist ein wirklich starkes Stück gerade im Bereich der klassischen Superhelden. Das verdankt es nicht zuletzt der Tatsache, dass die Macher gerade für das Genre einen eher realistischen Stil bringen. Ich muss ehrlich sagen: Für mich eines der Top-Comics des Jahres.

Thomas Pichler, 19.11.2007