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Rubrik: Belletristik

Todesfracht

Clive Cussler, Jack du Brul
Blanvalet
ISBN 978-3-442-36857-0
512 Seiten
EUR 8,95

Titelbild: Todesfracht

”Todesfracht” ist der dritte Roman der sogenannten ”Oregon Files”, einem bisher drei Bände umfassenden Zyklus, der sich mit OREGON und ihrer Crew idealistischer Söldner befasst, und wurde von Clive Cussler und Jack du Brul verfasst. Beide Autoren sind für bekennend seichte, aber dafür spannende Unterhaltung sowohl berüchtigt als auch beliebt.
Ebenso sind die Autoren dafür bekannt, ihr jeweiliges Steckenpferd zu reiten; das wäre bei Clive Cussler das Maritime und bei du Brul die Geologie. Abseits dieser Fachgebiete bewegen sich die Romane auf einem Level, der selbst anspruchslose Leser nicht mit Fakten oder gar komplexeren Weltbildern verunsichert: Die Fronten sind stets eindeutig, Gut und Böse klar definiert, und das Böse grundsätzlich außerhalb der Vereinigten Staaten zu finden.
 
Auch dieser Roman bildet darin keine Ausnahme, sowohl im Guten als auch — wenn man es denn so nennen darf — im Schlechten. Der Roman ist ein Pageturner, der ausgezeichnet unterhält, sofern man bereit ist, sein Gehirn weitestgehend abzuschalten und den eigenen weltpolitischen Horizont kurzfristig noch stärker einzuengen, als es beispielsweise für den Genuss eines James-Bond-Films aus der Zeit des Kalten Krieges erforderlich ist. Gelingt es ferner, die oberflächlichen und sich häufig wiederholenden Charakterzeichnungen sowie den stellenweisen naiven Schreibstil auszublenden, macht es ungelogen Spaß zu verfolgen, wie die Crew um Juan Cabrillo skrupellosen Menschenhändlern — mal (fast) subtil, mal bleihaltig — die Leviten liest.
 
Die Geschichte ist an sich nichts weiter als ein Potpourri aus einschlägig bekannten Abenteuer- und Agentenfilmen, und wer in dem Genre beschlagen ist, wird manche Szenen eins zu eins wiedererkennen. Beeindruckend ist dabei, wie es den Autoren gelingt, eine Hatz um die halbe Welt zu gestalten, ohne dabei auf grobe zeitlich-räumliche Handlungssprünge zurückgreifen zu müssen, die ihnen vermutlich aber auch niemand übel genommen hätte.
 
Fazit: Der Frühlingsanfang bringt Deutschland grausam schlechtes Wetter und zwingt einen dazu, die Freizeitgestaltung nach drinnen zu verlegen. Und was kann es da Schöneres geben, als es sich mit einem dicken, aber an keiner Stelle langweiligen Wälzer gemütlich zu machen, abzuschalten und sich ohne geistige Anstrengung und ohne Reue berieseln zu lassen.

Martin Hoyer, 22.03.2008