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Rubrik: Comic

Elric - Die Erschaffung eines Hexers

Michael Moorcock, Walter Simonson, Steve Oliff
Panini Comics
ISBN 978-3-86607-374-6
204 Seiten
EUR 19,95

Titelbild: Elric - Die Erschaffung eines Hexers

Elric, der albinotische Prinz von Melniboné, wird von seinem Vater abgelehnt. Er sei zu schwach, um den Thron des Reiches besteigen zu können, sagt dieser. Doch in Wahrheit spielt wesentlich mehr hinein als nur die zugegebene körperliche Schwäche des jungen Mannes. Doch aus der Thronfolge entfernen kann man ihn auch nicht einfach. Also muss eine andere, eine bessere Lösung gefunden werden.
Und diese Lösung wird auch angestrebt: Mittels der Traumliegen, die das Bewusstsein des Anwenders in andere Zeiten und Dimensionen des Multiversums bringen können, soll entschieden werden, ob der Albino fähig ist, den Thron von Melniboné zu besteigen.
Doch Elric ist nicht der einzige Kandidat auf den Thron: Sein Vetter, Yyrkoon, ist von Machthunger und Ehrgeiz zerfressen und würde nichts lieber sehen als den Tod Elrics.
Und so nimmt die verhängnisvolle Geschichte ihren Lauf ...
 
Michael Moorcocks Saga um den Ewigen Helden ist inzwischen ein Klassiker der Fantasy-Literatur. Es gab derer viele, doch vor allem einer der Verkörperungen dieses außergewöhnlichen Schicksals bleibt dem Leser immer im Gedächtnis haften: Elric von Melniboné und seine tragische Rolle in diesem gigantischen Spiel zwischen Ordnung und Chaos.
Woran es liegt, dass gerade er die herausragendste Persönlichkeit innerhalb dieses Sagen-Gebäudes ist, ist nicht ganz einfach zu erklären. Tragische ”Ewige Helden” gab es genug, der eine oder andere schwächelte auch einmal. Vielleicht, um es erst einmal an den Äußerlichkeiten festzumachen, ist es einfach die Tatsache, daß Elric der einzige, von Moorcock beschriebene Albino ist und damit schon einmal aus dem Rahmen der anderen Helden fällt. Zum zweiten wäre da sein gesundheitlicher Zustand zu nennen, den der Autor seinerzeit hervorragend skizzierte.
Elric hatte keine andere Wahl, als sich mit Sturmbringer, der verfluchten Klinge, zu verbünden. Er zog Kraft aus ihr. Eine Kraft, die es ihm möglich machte, die Dinge zu tun, die er tun musste, um sein Reich und seine Welt zu schützen. Dennoch schwebte die ganze Zeit über das Verhängnis in Form eben dieses Schwertes über ihm ...
 
In diesem Comic, den Panini nun dem interessierten Publikum vorlegt, gibt es auch einige Besonderheiten. Gut, so besonders vielleicht nicht mehr, da sich inzwischen mehrere Roman-Autoren mit Comic-Zeichnern zusammengetan haben, um ihre Werke dem Leser zu verbildlichen. Es ist auch nichts wirklich besonderes, dass ein Roman eben diesen Weg geht. Was aber in diesem Fall besonders ist: Es ist die Vorgeschichte zu dem, was später zu dem weltbekannten Zyklus um Elric führte, und Michael Moorcock selbst schrieb diese gemeinsam mit den Machern dieses Sonderbandes. Es handelt sich also nicht um einen nachbebilderten Roman, sondern um einen Roman in Bildern.
 
Was dabei herauskommt, ist eine wahre phantastische Schlacht der Zeichnungen mit einer packenden Geschichte, die den Leser mitreißt und in die Welten des Multiversums eintauchen lässt. Teils atemberaubend und rasant, teils auch wieder ruhig und schwermütig unterstreichen wie tragen die Bilder von Walter Simonon die Geschichte, die der Schaffer dieses außergewöhnlichen Helden erzählt.
 
Besonders faszinierend dabei ist Elric selbst: Dieser blasse, ”silberhäutige”, schmale und große Prinz mit den dunkelroten Augen sticht aus der Menge gerade wegen seiner kaum vorhandenen Farben hervor. Während alles um ihn herum bunt ist, besticht er gerade durch diese Farblosigkeit, die meist durch die Kleidung, die er trägt, noch unterstrichen wird. Eine wirklich faszinierende Arbeit, die dem Leser vor Augen führt, wie auffällig dieser Held wirklich ist.
 
Die erzählten Geschichten der Traumprüfungen Elrics sind spannend und führen viele der später in den Romanen wichtigen Figuren und Orte bereits ein. Das eine oder andere, was eben in der Saga nur kurz beleuchtet wurde, kommt hier voll zum Tragen, Elrics spätere Handlungen werden dadurch logischer und nachvollziehbarer.
 
Ein faszinierender Band, der einen unwillkürlich noch einmal nach dem Zyklus greifen lässt. Gute Zeichnungen, spannende Abenteuer und eine der interessantesten Figuren der Fantasy — was will man mehr?

Ramona Schroller, 16.08.2007